Nachbericht: 15. Internationaler Bodenseekongress

„Setzen wir Zeichen für die Gesundheitsmedizin der Zukunft!“

Flammende Appelle für die Gesundheit gingen vom 15. Internationalen Bodenseekongress für Regulations- und Moderne Orthomolekulare Medizin aus. Angesehene Wissenschaftler und Praktiker aus unterschiedlichen Fachdisziplinen plädierten dafür, den Menschen als selbstregulierendes biologisches System zu sehen. Mit diesem Verständnis lassen sich Gesundheitsprozesse individuell gestalten und die Anzahl der gesunden Lebensjahre erhöhen.  

Mit überzeugenden Plädoyers für die Gesundheit setzte der 15. Internationale Bodenseekongress für Regulations- und Moderne Orthomolekulare Medizin starke inhaltliche Akzente: 

Unter dem Eindruck von Corona dominierten dabei die präventiven Potentiale für selbstbestimmte, individuelle Gesundheitslösungen. Andreas Hefel (Präsident der Stiftung für Gesundheit und Umwelt, SfGU) eröffnete die Jahrestagung mit einem eindringlichen Appell: „Wenn wir die Menschen gesund erhalten wollen, dann müssen wir dafür sorgen, dass der gesamte Organismus dauerhaft optimal funktioniert!“

Dabei steht im Zentrum, sog. „chronische Vorerkrankungen“ mit innovativen Konzepten der Regulationsmedizin zu vermeiden oder ursächlich zu behandeln. Entsprechend beruhten die Fachvorträge auf einem gemeinsame Grundverständnis, das der Präsident erläuterte: „Der Mensch ist ein selbstregulierendes biologisches System, das ohne massive Eingriffe in den Körper zur Selbstregulation fähig ist. Nutzen wir diese Riesenchance, setzen wir Zeichen und schlagen wir für die Gesundheitsmedizin der Zukunft einen zielführenden Kurs ein!“

Impressionen zur Veranstaltung 

Am Beispiel des Mineralstoffs Magnesium schärfte Prof. Dr. med. Klaus Kisters (Vizepräsident der Gesellschaft für Magnesium-Forschung e.V.) den Blick für das „grosse Ganze“, das nur mit einem guten Ernährungsstatus funktioniere.

Dabei wies er auf einen wesentlichen Aspekt hin, der seit einigen Jahren zunehmend an Bedeutung gewinnt: „Insbesondere in Zeiten wie diesen ist die Wechselwirkung zwischen Magnesium und Vitamin D von grosser Bedeutung.“ Mit dem „grossen Ganzen“ beschäftigte sich auch Prof. DDr. med. Irmgard Simma (Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (ÖGZMK): „Es ist faszinierend, was alles erreicht werden kann, wenn ein Symptom als Pfad verstanden wird, der uns zu dem ursprünglichen Defizit führen will.“

Dr. Diana Henz auf, die an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz die Wirkung elektromagnetischer Felder auf die Gehirn-, Herz- und muskuläre Aktivität erforscht, sprach sich für einen multifaktoriellen Ansatz aus, um den Herausforderungen von elektromagnetischer Strahlung in Prävention und Therapie zu begegnen.

Dabei wies er auf einen wesentlichen Aspekt hin, der seit einigen Jahren zunehmend an Bedeutung gewinnt: „Insbesondere in Zeiten wie diesen ist die Wechselwirkung zwischen Magnesium und Vitamin D von grosser Bedeutung.“ Mit dem „grossen Ganzen“ beschäftigte sich auch Prof. DDr. med. Irmgard Simma (Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (ÖGZMK): „Es ist faszinierend, was alles erreicht werden kann, wenn ein Symptom als Pfad verstanden wird, der uns zu dem ursprünglichen Defizit führen will.“

Dr. Diana Henz auf, die an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz die Wirkung elektromagnetischer Felder auf die Gehirn-, Herz- und muskuläre Aktivität erforscht, sprach sich für einen multifaktoriellen Ansatz aus, um den Herausforderungen von elektromagnetischer Strahlung in Prävention und Therapie zu begegnen.

Zusammenfassung des Tagesseminars

„Vom Zellkraftwerk zum Alleskönner“ Bio-Logische Grundlagen zu den Mitochondrien

„Mitochondriale Medizin – Grundlagen, Diagnosemethoden und zukunftsweisende Therapieformen“

Menschen bestehen aus Zellen. Sind Menschen krank, sind Zellen krank. Die Ursache liegt meistens im Energiemangel und damit bei den Mitochondrien. Wir reden von Mitochondriopathie für die meisten nichtansteckenden Chronischen Erkrankungen. Dabei steht die chronische Inflammation im Mittelpunkt des Stoffwechselgeschehens..

«Chronische Erkrankungen machen evolutionsbiologisch keinen Sinn». Mit diesen Worten wurde am 7. November im Hotel Marriott in Zürich das von der SfGU-Stiftung initiierte Tagesseminar zum Thema Mitochondrien, Zellkraftwerke als Alleskönner von Jörg Hentschel, dipl. Ing., Heilpraktiker und Mitgründer der Forschungsgruppe «Celluar restitution medicine» eingeleitet. Die meisten chronischen Erkrankungen sind auf Entzündungsprozesse und Energiemangel zurück zu führen.

Sind die Menschen krank, sind die Zellen und die Mitochondrien krank. Deshalb muss das Hauptaugenmerk bei der Behandlung – und natürlich auch Vermeidung – von chronischen Erkrankungen auf die zellulären Ebene und damit auf den Zellstoffwechsel und das Regulationssystem gerichtet sein. Schädliche Umwelteinflüsse nehmen weiter zu und verursachen Schäden an der Biomembran, den Mitochondrien und der DNA. Damit werden die Zellaktivitäten eingeschränkt und notwendige Reparatur- und Regenerationsprozesse verhindert. Es kommt zuerst zu Energiedefiziten und stillen Entzündungen, gefolgt von chronischen Erkrankungen.

Chronische Erkrankungen sind deshalb als erstarrte «Cell-Danger-Respons» zu verstehen. Der schulmedizinische Ansatz macht nun den Fehler, sich auf die Behandlung der Symptome mit hochdosierten, meistens synthetischen Einzelsubstanzen zu beschränken. Leider hat auch die Naturheilkunde in den letzten 100 Jahren den grossen Fehler gemacht, mit Naturstoffen die monokausal denkende Schulmedizin zu imitieren.

Hier muss ein Umdenken stattfinden, wenn chronische Erkrankungen vermieden oder beseitigt werden sollen. Eine ursächliche Behandlung beginnt immer auf zellulärer Ebene, d.h. die Zellen müssen vor Schädigung geschützt werden und der Zellstoffwechsel muss aktiviert werden. Dazu brauchen wir eine ganze Reihe von unterschiedlichen Mikronährstoffen, sekundären Pflanzeninhaltstoffen, Aminosäuren (spez. Arginin, Carnosin, Carnitin) und Fettsäuren (spez. Omega-3-Fettsäuren). Eine besondere Rolle spielt der Darm und die Darmflora, sind diese doch für eine optimale Aufnahme und Verwertung der Ernährung (Makro-/Mikronährstoffe) zuständig. Und genau hier müsste eigentlich jede Behandlung beginnen, da Entzündungsprozesse meistens im Darm beginnen.

Zur Behandlung und Stärkung der Darmflora sind Butyrat bildende Ballaststoffe also Präbiotikas, wie Guar, Gummi Arabicum, Inulin, beta Glucane u.a. und natürlich zusätzlich Mikronährstoffen und Probiotikas in ausreichender Dosierung zu zuführen. Anfänglich Reaktionen bei der Gabe von Ballaststoffen sind Zeichen einer unausgewogenen Darmflora und müssen mit einer einschleichenden Dosierung über mehrere Wochen vermindert werden. Andreas Scheler, Leitender Arzt vom Institut für angewandte Biochemie IABC AG, Kreuzlingen und eigener Praxis in Bottighofen, ergänzte im Anschluss die Ausführungen von Jörg Hentschel aus ganzheitsmedizinischer Sicht.

Alzheimer bezeichnete er als metabolischer Stress des Gehirns und damit als behandelbar, genauso wie Diabetes Typ 2 und andere chronisch Erkrankungen. Sein Schwerpunkt setzte er auf die Erklärung der Wirkungsweise und Bedeutung unterschiedlicher Hormone im Stoffwechsel und auf die Bedeutung einzelner Mikronährstoffen, Amino- und Fettsäuren auf den Energie- und Entgiftungsstoffwechsel. Er ging auch auf die wichtige Funktion der Sirtuine ein, das sind Enzyme, die in der Zelle den Stoffwechsel anregen, Zellschutz aufbauen und den Alterungsprozess verlangsamen. Pflanzenstoffe, wie Ginseng, Rhodiola, Safran, Ginko und andere (sog. Sirtfood) regen die Sirtuinbildung in den Zellen an. Auch Scheler unterstrich nochmals die Wichtigkeit eines einwandfreien Zusammenspiels von Darm, Darmflora, Leber und Gehirn. Bei der Behandlung wäre eine vorübergehende Verschlechterung der Symptomatik oder Müdigkeit jedoch völlig normal. Die Patienten sollten unbedingt darauf hingewiesen werden.

Frau Dr. Padia Rasch rundete am Schluss der Veranstaltung mit zwei sehr interessanten Fällen aus Ihrer Praxis im Seeblick Berlingen den lehrreichen Tag ab und zeigte auf, dass eine ursächliche Behandlung nicht ein paar Tagen, sondern je nachdem Monate beansprucht, aber durchaus sehr erfolgreich durchgeführt werden kann.

Nachbericht: 14. Internationaler Bodenseekongress

Nachbericht: 14. Internationaler Bodenseekongress:

Für eine neue Gesundheitskultur aktiv: Ärzte, Therapeuten, Apotheker und Drogisten am Internationalen Bodenseekongress 2019

Mit den Themen, die am 14. Internationalen Bodenseekongress von hochkarätigen Referenten präsentiert wurden, liegt die Stiftung für Gesundheit und Umwelt (SfGU) am Puls der Zeit:

Die möglichen Auswirkungen von Umweltbelastungen wurden ebenso diskutiert, wie wirksame Ansätze zur Gesundheitsprävention. Sämtliche Fachvorträge und Diskussionsbeiträge postulierten einen Bewusstseinswandel für eine neue Gesundheitskultur.

Der 14. Internationale Bodenseekongress, der am 7. September 2019 im Lilienberg Unternehmerforum stattgefunden hat, legte die inhaltlichen Schwerpunkte auf schädliche Umwelteinflüsse, die das Regulationssystem des Menschen sabotieren können – insbesondere Phthalate, Schwermetalle und Aluminium in Parfum und Duftstoffen (endokrine Disruptoren) sowie mit Schadstoffen belastete Tätowiersubstanzen. Zum Teil bedenkliche Konzentrationen und Synergismen können ein lebenslanges gesundheitliches Risiko und gynäkologische Spätfolgen nach sich ziehen.

Wie sich eine kurzfristige Exposition durch elektromagnetische Felder (Mobilfunk) auf die Regulationsfähigkeit der Mitochondrien auswirken kann, zeigten die Ergebnisse von wissenschaftlichen Einzelfallexperimenten, die nun mit zusätzlichen Studien weiter erforscht werden sollen: ein hohes Protonenleck (Proton leak), eine abnehmende Zellkonzentration sowie nicht mehr adäquate Zellreaktionen auf einen weiteren Reiz (oxidativer Stress) sind mögliche Folgen für den Zellstoffwechsel, die zu beobachten waren.

Am Beispiel von Resveratrol wurden die Eigenschaften von Antioxidantien besprochen, die Schutz vor negativen Umwelteinflüssen und oxidativem Stress bieten. Um protektive Wirkungen zu erzielen und die empfohlene Tagesdosis von bis zu 390 Milligramm pro Tag bei einem 65 Kilogramm schweren Mann aufzunehmen, ist dieser sekundäre Pflanzenstoff z.B. auch Bestandteil von personalisierten Mikronährstoffmischungen.

Darüber hinaus standen am Bodenseekongress die positiven Effekte von körperlicher Aktivität auf die Immunregulation im Fokus präventiver Massnahmen – verbunden mit dem Appell, eine Bewegungsbiographie zu entwickeln, die keine langen Phasen von körperlicher Inaktivität habe. Körperliche Aktivität wirkt dem Immun-Risiko-Profil und der Immunseneszenz genauso entgegen, wie chronisch-entzündlichen Prozessen.

Da es mit den Methoden der konventionellen Medizin nicht gelingt, auf die Ursachen von Zivilisationskrankheiten Einfluss zu nehmen, wurde am 14. Internationalen Bodenseekongress eine neue Gesundheits-Kultur gefordert, die dem Ökosystem Mensch entspricht – ein sich selbst entwickelndes, selbst regenerierendes, selbst reparierendes und (zumindest gelegentlich) auch selbst reproduzierendes System, welches in ständigem Austausch mit seiner Umwelt steht. (JÜK)

Der 15. Internationale Bodenseekongress findet am 12. September 2020 statt.

Zusammenfassung des Tagesseminars

„Autoimmunerkrankungen – vernetzt denken und vernetzt therapieren“

„Die Zeit der Alleindarsteller sollte sich ihrem Ende entgegenneigen“

Mit einem Plädoyer für die Grundprinzipien der Regulationsmedizin endete das Tagesseminar „Autoimmunerkrankungen – vernetzt denken und vernetzt therapieren“, das am Donnerstag, 23. Mai 2019, im Hotel Marriott Zürich City stattgefunden hat.

Dr. med. Simon Feldhaus (Facharzt für Allgemeinmedizin, TCM-Therapeut, Dipl.-Heilpraktiker) sprach sich mit Nachdruck dafür aus, „brandaktuelle Themen“, wie z.B. Autoimmunerkrankungen, ganzheitlich zu betrachten und die dazu erforderliche Vernetzung von Spezialisten auch in der Aus- und Weiterbildung darzustellen: „Wenn es um die Gesundheit von Menschen geht, dann halte ich es für absolut notwendig, dass sich die Zeit der Alleindarsteller allmählich ihrem Ende entgegenneigt. Dabei verlieh er seiner Freude Ausdruck, dieses Tagesseminar der Stiftung für Gesundheit und Umwelt (SfGU) gemeinsam mit dem Zahnarzt Dr. med. dent. Jens Tartsch (Schwerpunkt Umweltzahnmedizin und metallfreie Implantologie) gestalten zu dürfen. „Allgemeinmediziner, Therapeuten wie auch Zahnärzte kommen heute nicht mehr umhin, sich auf wissenschaftlich fundierter Basis mit den neuesten Erkenntnissen über Multisystemerkrankungen zu beschäftigen und im Sinne der Patienten vernetzt zu handeln“, erklärte der Dentist.

Die Erläuterung eines Fallbeispiels aus seiner Praxis zeigte, wie zwingend notwendig die interdisziplinäre Zusammenarbeit ist, die sich an den möglichen Ursachen von Krankheitsbildern orientiert: Ein Patient, der seine Prothese nicht mehr vertrug, litt u.a. unter Schlaflosigkeit, Erschöpfung und Depressionen, unter ständigen Bauchschmerzen und Verdauungsproblemen sowie unter wiederkehrenden Hautekzemen: „Der Gastroenterologe wollte ihm ein Stück vom Darm entfernen und der Dermatologe hat ihm eine Cortison-Creme verschrieben. Sein Hausarzt und der Psychiater sind von einer klassischen Depression ausgegangen“, so Tartsch. Im Interesse des Betroffenen verlangte er die Bereitschaft, „den Horizont zu erweitern“ sowie Entscheidungen gemeinsam abzuwägen und zu treffen: „Es braucht die Zusammenarbeit und es braucht die personalisierte Medizin.“ Was das von ihm skizzierte Fallbeispiel betrifft, lag darin der Schlüssel zum Erfolg: „Es galt in diesem Fall, die chronisch-entzündliche Erkrankung zu erkennen und zu beseitigen.“ Als Zahnarzt habe er seinen Teil dazu beitragen können, um das komplexe Räderwerk wieder zum Laufen zu bringen. Über die systemische Behandlung von Patienten hinaus appellierte er daran, vermehrt auf individualisierte Gesundheitskonzepte zur wirksamen Prävention zu setzen und Menschen über ursächliche Zusammenhänge aufzuklären – „bevor das Kind in den Brunnen fällt“.

Nach Auffassung der Stiftung für Gesundheit und Umwelt (SfGU) ist es allerhöchste Zeit, um ein Gesundheitswesen mit einem multifaktoriellen und konzeptionellen Ansatz aufzubauen. Wer den steigenden Herausforderungen für ein langes Leben in Gesundheit mit zukunftsfähigen und weitblickenden Lösungen begegnen will, der kommt an dem von Dr. med. Simon Feldhaus und Dr. med. dent. Jens Tartsch aufgezeigten Paradigmenwechsel nicht vorbei. Dafür sprach sich auch Andreas Hefel (Präsident der SfGU) an diesem Tagesseminar aus.

Zusammenfassung des Tagesseminars

„Neue Möglichkeiten der Diagnostik und Therapie für den Darm – ein Update“

Das Mikrobiom als Ökosystem schützen

Monokulturen in der Landwirtschaft, einseitiges Ernährungsverhalten, Schadstoffbelastungen und die Einnahme bestimmter Medikamente sind vier von vielen Faktoren, die das komplexe Mikrobiom aus dem Gleichgewicht bringen können. Nimmt dadurch die Anzahl von Bakterienfamilien im Darm ab, steigt das Risiko für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen. Die Diagnose „Reizdarm“ gilt es kritisch zu hinterfragen. Hinter den Symptomen können sich auch andere Krankheiten, Unverträglichkeiten und Mangelzustände verbergen.

Was Dr. med. Kurt Mosetter am 14. Internationalen Bodenseekongress der SfGU erwähnte, kam auch am Tagesseminar „Neue Möglichkeiten der Diagnostik und Therapie für den Darm“ erneut zum Ausdruck: „Der Mensch ist ein grosses Ökosystem. Es ist in uns und wir sind ein Teil davon.“ Am Beispiel chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen (CED) ging dabei Prof. Dr. med. Stephan Vavricka (Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie FMH, Spez. Hepatologie) auf die Bedeutung einer hohen Diversität von Darmbakterien ein: „Man weiss, dass bei der Entstehung von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa die reduzierte Anzahl von Bakterienfamilien im Darm eine ganz wichtige Rolle spielt.“ Dies sei z.B. auf Behandlungen mit Antibiotika zurückzuführen. Während das normale Mikrobiom – die Gesamtheit aller Mikroorganismen, die den Darm besiedeln – einer blühenden Wiese entspreche, verwandle es sich dadurch bildlich gesprochen in einen Acker. „Auf diesem Acker beginnt anschliessend Unkraut zu wachsen – d.h. Bakterienarten, die die Darmflora ungünstig verändern.“

Entwickelten sich daraus im Zusammenspiel mit verschiedenen anderen Faktoren im Laufe der Zeit chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, so dauere die Diagnosestellung in der Schulmedizin sehr lange: „Vom Auftreten der ersten Symptome bis zur Diagnose Morbus Crohn vergehen in der Schweiz bei einem männlichen Patienten im Durchschnitt 60 Monate und bei einer Frau 90 Monate“, erklärte der Facharzt. Da für die Diagnose des Morbus Crohn bis heute kein Goldstandard existiere, ergebe sich das Bild immer durch das Zusammenfügen einzelner Puzzleteile, wie z.B. der Anamnese, Endoskopie, Histologie, radiologischer Untersuchungen, Laboranalytik und biochemischer Befunde. Dass dabei vielfach Jahre verstreichen, bringt für die Patienten Risiken mit sich: „Je länger diese Krankheit andauert, desto komplizierter werden die Therapien und desto grösser wird auch die Wahrscheinlichkeit eines operativen Eingriffes.“

Die Schwierigkeit, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen schulmedizinisch zu diagnostizieren, führe nicht selten auch zu einem Fehlschluss: „Ohne dass die richtige Diagnose gestellt wurde, werden Betroffene von den behandelnden Ärzten aus dem Gefühl heraus in die Reizdarm-Schiene gelegt“, so Vavricka. Dabei appellierte er dafür, dies möglichst frühzeitig kritisch zu hinterfragen und stattdessen auch weitere Krankheiten, Unverträglichkeiten und Mangelzustände abzuklären, wie z.B. Zöliakie, CEDs, zu niedrige Proteinwerte oder ein Mangel an Vitamin D. Mit Blick auf die Zunahme von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen liegt ihm das Mikrobiom „extrem am Herzen“: So zeigten Veränderungen der Darmflora, wie fragil das gesamte System sei und wie wenig es noch immer verstanden werde. Dabei zeigte er sich als Verfechter einer differenzierten Sichtweise und einer kooperativen Haltung: „In den vergangenen 20 Jahren habe ich gelernt, dass Medizin nicht Schwarz oder Weiss ist, sondern dass es noch 50 Graustufen dazwischen gibt. Als Schulmediziner bin ich sehr offen gegenüber der Alternativmedizin und ich lerne auch von Ihnen – z.B. über die Stuhlanalyse zur Bestimmung des Mikrobioms.“

Abwechslungsreiche Ernährung

Welch grossen Einfluss Medikamente auf das Mikrobiom haben, verdeutlichte Andreas Scheler (Facharzt für Allgemeinmedizin und Naturheilverfahren (D), Komplementärmedizin). In seinem Vortrag ging er auch auf eine Studie des European Molecular Biology Laboratory ein, die 2018 in der Fachzeitschrift „Nature“ erschienen ist. Sie zeigt, dass eine Vielzahl von Medikamenten einen Effekt auf das Mikrobiom hat, der zu einer Verarmung der Bakteriengemeinschaft führt – vergleichbar mit Antibiotika. Dazu zählen u.a. Protonenpumpenhemmer und Psychopharmaka, die sehr häufig verordnet werden. Auch Scheler sprach sich dafür aus, auf eine hohe Diversität von Darmbakterien zu achten: „Das ist wie in der Waldwirtschaft – während Monokulturen sturmanfällig sind, leben Mischwälder länger und sind robuster.“ Besonderes Augenmerk richtet er dabei auf die Ernährung: „Mit einem therapeutischen Eingriff wird das gesundheitliche Problem auf Dauer nicht erledigt sein – dazu braucht es Veränderungen im Lifestyle.“ Laura Koch (Ernährungsberaterin BSc BFH am NHK Institut für integrative Naturheilkunde) beschäftigte sich in ihrem Referat ebenfalls mit Monokulturen und ihren möglichen Risiken für die Gesundheit des Menschen: „Indem die ursprüngliche Vielfalt zunehmend den Monokulturen gewichen ist, hat sich die Agrarindustrie in den vergangenen 60 Jahren sehr stark verändert. Die Ertragskraft der Nutzpflanzen steigt, aber die Qualität sinkt.“ Werde auch die Ernährung einseitig, dann gelangten z.B. durch den übermässigen Verzehr unreif geernteter Fruchtsorten vermehrt Lektine in den Darm: „Diese Kohlenhydrat-bindenden Proteine bilden das Immunsystem der Pflanzen gegen Frassfeinde. Indem sie sich verkleben und aneinanderhängen können sie das Mikrobiom beeinflussen und die Darmintegrität beeinträchtigen.“

Vorbeugen ist besser als heilen

Daraus leitete Andreas Hefel (Präsident der SfGU) eine Schlussfolgerung nach dem SALUSMED-Prinzip ab, die nicht nur therapeutisch, sondern insbesondere präventiv von hoher Relevanz ist: „Gelingt es uns, Schadstoffbelastungen zu minimieren und unerwünschte degenerative Kräfte zu reduzieren sowie gleichzeitig die regenerativen Selbstheilungs- und Reparaturkräfte des Organismus zu stärken, dann können wir das erreichen, was wir alle anstreben: Bei guter Gesundheit und hoher Lebensqualität alt werden!“

Zusammenfassung des Tagesseminars

„Energie auf Rezept“

Wie Energiemangel als Hauptursache für alle chronischen Erkrankungen beseitigt und Regenerationskräfte wieder aktiviert werden können

Prof. Dr. Elmar Wienecke (Leiter des Masterstudiengangs Mikronährstofftherapie und Regulationsmedizin, Fachhochschule des Mittelstands (FHM), Bielefeld) referierte über folgende Themen:

  • Der Einfluss der Mikronährstoffe auf die Balance des vegetativen Nervensystems am Beispiel evidenzbasierter retrospektiver Studien
  • Individualisierte Mikronährstofftherapie in der Regulationsmedizin am Beispiel unterschiedlicher Erkrankungen

Take-Home-Message: „Subklinische Mangelzustände von Mikronährstoffen werden erst sehr spät diagnostiziert, da der Mensch zunächst seine körpereigenen Gewebe- und Zellspeicher entleert, ohne dass diese durch routinemässige Blutanalysen erkannt werden. So werden immer mehr Stoffwechselabläufe verlangsamt und die Produktion von Hormonen auf Sparflamme gesetzt. Gelingt es rechtzeitig, biochemische Störungen zu erkennen und zu korrigieren, so lassen sich nachweislich bestehende Befindlichkeitsstörungen deutlich reduzieren oder aber im Vorfeld vermeiden. Mit Hilfe evidenzbasierter retrospektiver Studien lässt sich die Wirksamkeit der Mikronährstoffe für die Gesundheitserhaltung des Menschen nachweisen. Dabei sind interessante Zusammenhänge zwischen einer optimalen Energiezufuhr sowie der mentalen und physischen Leistungsfähigkeit des Einzelnen erkennbar.“

Prof. Dr. Elmar Wienecke (Leiter des Masterstudiengangs Mikronährstofftherapie und Regulationsmedizin, Fachhochschule des Mittelstands (FHM), Bielefeld) referierte über folgende Themen:

Hauptursache aller chronischen Erkrankungen – Energiemangel beseitigen und Regenerationskräfte aktivieren

Take-Home-Message: Die Mitochondrien sind zentral für den Energiehaushalt zuständig und stellen mit ihrer Atmungskette rund 80% der zellulären Energie zur Verfügung. Speziell die mitochondriale Erbsubstanz ist ebenso wie ihr schlecht ausgebildetes Reparatursystem sehr anfällig gegenüber molekularem Stress, Energiemangel und zu stark ausgeprägten Aktivitäten freier Radikale. Speziell für Organe, die grosse Energiemengen benötigen, wie z.B. das Gehirn, das Herz, die Leber und die Muskeln, sind Mitochondrien besonders wichtig. Fehlfunktionen der Mitochondrien können weitreichend den Stoffwechsel und eine Vielzahl von Erkrankungen negativ beeinflussen und sind so unmittelbar mit Neurostress, Neurodegeneration, Immundysfunktion und allen Zivilisationskrankheiten gekoppelt.“

Dr. med. Padia Rasch (leitende Fachärztin für Allgemeinmedizin und Naturheilverfahren im Fachkurhaus Seeblick) stellte zwei Fallbeispiele zur wirksamen Behandlung von Erschöpfungsdepression, Burnout und Energiemangel vor:

Take-Home-Messages Fallbeispiel Nr. 1:

  • „Die Mikronährstoffdiagnostik zeigte einen Omega-3-Mangel, was bei unseren Kurgästen und Patienten keine Seltenheit, sondern die Regel ist. Auch ein Mangel an Vitamin D3 ist sehr weit verbreitet.
  • „Als Medizinerin orientiere ich mich am Labor. Warum hatte die Patientin einen Vitamin D–Mangel? Das musste ich zuerst einmal verstehen. Die Kontrollmessung hat dann die Verbesserung gezeigt.“
  • „Die Patientin wollte etwas verändern – deshalb hat sich das auch erreicht. Sie hat ihre Ernährung umgestellt und mehr Bewegung in ihrem Alltag einplanen können. Eine weitere wichtige Therapiesäule war die HCK-Mikronährstoffmischung, die individuell auf sie abgestimmt war.“
  • „Ein Mensch, der nicht genügend Energie hat, kann auch keinen Sport treiben. Deswegen sollte man zuerst daran denken, die Mikronährstoffe zuzuführen, die fehlen und für den Energiehaushalt notwendig sind – und zwar langsam, Stufe für Stufe.“

Take-Home-Messages Fallbeispiel Nr. 2:

  • „Die Patientin kam mit einer mittelschweren Erschöpfungsdepression zu uns – das ist eine Burnout-Diagnostik.“
  • Die Mikronährstoffanalyse zeigte einen ganz, ganz starken Mangel an Vitamin D – das finden wir bei vielen Burnout-Patienten. Der Omega-3-Index war ebenfalls zu tief. Und auch der Q10-Wert, das `Highlight´ in der mitochondrialen Medizin, war nicht im grünen Bereich.“„
  • Wir haben den Cortisol-Spiegel im Speichel gemessen – die Werte waren nicht ausgeglichen, sondern bewegten sich in einem Grenzbereich. Wir wussten also, dass es sich um eine biochemische Erschöpfung handelt. Wie soll man die Nebenniere, in der das Cortisol gebildet wird, psychiatrisch behandeln? Sollen wir mit der Nebenniere sprechen und dann schauen, was sie antwortet?“„
  • Ich möchte betonen: Die Patientin kam zu uns nach einem nicht zielführenden Therapieversuch mit Methoden der konventionellen Medizin. In einer internistischen Praxis wurde sie mit stimmungsaufhellenden und sedierenden Antidepressiva sowie Schlafmittel behandelt und krankgeschrieben – darüber hinaus hatte sie in dieser Arztpraxis keine andere Lösung gefunden. Fünf Wochen später war sie damit noch nicht einmal in der Lage, den Haushalt selbständig zu erledigen. Die beantragte Kostengutsprache für einen stationären psychiatrischen Aufenthalt wurde von der Krankenkasse nicht genehmigt. Ich finde, das war die beste Entscheidung einer Krankenkasse. Stattdessen kam die Frau zu uns und das war ihre Chance. Im „Seeblick“ wurde sie u.a. mit einer personalisierten Mikronährstoffmischung behandelt. Im weiteren Verlauf hat sie sich freiwillig und selbstbestimmt dazu entschieden, die Psychopharmaka abzusetzen. Heute ist sie wieder arbeitsfähig, kann alles wieder wie früher machen und strahlt Gesundheit aus – das ist ihre Natur!“
  • Nachbericht: 13. Internationaler Bodenseekongress

    Neueste Erkenntnisse der Regulations- und Modernen Orthomolekularen Medizin

    Am 13. Internationalen Bodenseekongress der Stiftung für Gesundheit und Umwelt (SfGU) im Lilienberg Unternehmerforum hörten die rund 200 Teilnehmenden 5 Fachvorträge von Referenten mit grosser Expertise. Ihre Kernaussagen lassen sich in 10 Thesen zusammenfassen (siehe unten). Bevor Andreas Hefel, Präsident der SfGU, die Fachthemen vorstellte, ging er in seiner Begrüssung auf einige grundsätzliche Aspekte ein: „Die SfGU bekennt sich klar und deutlich zur konventionellen Medizin und zur medikamentösen Therapie – aber nur dort, wo es tatsächlich notwendig und ergänzend ist. In unserem Fachkurhaus Seeblick begegnen wir regelmässig Menschen, die täglich zwar 10 und mehr Medikamente einnehmen, deshalb aber keineswegs gesünder, sondern eher kränker sind. Und das kann es ja wohl nicht sein! Wenn wir den Menschen und sein Umfeld als selbstregulierendes biologisches System verstehen, dann wird jedem sofort klar, dass vielfach nur symptomatische Behandlungskonzepte, die sich fast ausschliesslich auf Medikamente, Bestrahlung und Messer beschränken, eindeutig zu kurz greifen. Manchmal kommt es mir so vor, als ob wir die Menschen ihre Häuser erst anzünden lassen, nur damit die Feuerwehr anschliessend ihren Job erledigen kann. Der Schaden, der dabei angerichtet wird, interessiert aber offenbar kaum jemanden. Der regulationsmedizinische Ansatz hingegen bezieht den Menschen und sein Umfeld als Ganzes mit ein – mit dem Ziel die Gesundheit zu erhalten oder durch die ursächliche Behandlung von Krankheiten wiederherzustellen. Schlussendlich geht es immer wieder nur darum, degenerative Einflüsse auf Mensch, Tier und Natur möglichst gering zu halten und die regenerativen Kräfte so stark wie möglich zu machen. Entscheidend ist dabei, die Balance zwischen diesen beiden Kräften immer wieder zu finden und zu halten. Das war und ist auch der Grund, warum unsere SfGU seit fast 30 Jahren nicht nur das G für Gesundheit, sondern auch das U für Umwelt in ihrem Namen trägt.“

    Prof. Dr. med. Uwe Nixdorff, F.E.S.C. (CEO European Prevention Center, Düsseldorf) zum Thema: Atherosklerose und Inflammation

    Kernthese Nr. 1:

    Atherosklerose ist eine inflammatorische Systemerkrankung. Sie wird durch Interleukine promoviert, die häufig i.R. eines kardiometabolischen Syndroms durch viszerale Adipozyten exprimiert werden. Durch exazerbierte Inflammationsprozesse werden Plaques vulnerabel (der „vulnerable Patient“) und induzieren auf dem Boden meist noch nicht hämodynamisch relevanter Koronarwandveränderungen plötzliche Koronarsyndrome ohne Prodrome. Die Mortalität liegt > 50%.

    Kernthese Nr. 2:

    Die interventionelle Kardiologie ist in der Behandlung des akuten Koronarsyndroms / Myokardinfarkts unverzichtbar; bleibt aber mit der isolierten Koronarstenosenbehandlung („okulostenotischer Reflex“) der stabilen koronaren Herzkrankheit palliativ. Neue präventivkardiologische Massnahmen in Pharmakotherapie (Immuntherapie), Supplementierung und Lebensstilmodifikation sind der kausale Zugang zur Pathophysiologie.

    Prof. Dr. med. Armin Zittermann (Leiter der Studienzentrale, Herz- und Diabeteszentrum NRW, Bad Oeynhausen) zum Thema: Vitamin D-Mangel – Risikogruppen, Indikationen, Dosierung

    Kernthese Nr. 3:

    Eine unzureichende Vitamin D-Versorgung ist in Europa weit verbreitet und trägt zu Erkrankungen des Bewegungsapparates, Zahnkaries, Infektionen, Diabetes und frühzeitiger Mortalität bei.

    Kernthese Nr. 4:

    In der Regel reicht die tägliche Einnahme von 800-1´000 IE Vitamin D aus, um einen Vitamin D-Mangel effektiv zu verhindern.

    Priv. Doz. Dr. med. Lars Bechmann MBA (Medizinische Fakultät Universitätsklinikum, Magdeburg) in Kooperation mit Dr. med. Jan Best (Oberarzt der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg zum Thema: Die Rolle der Darmflora bei der Entstehung der nicht-alkoholischen Fettlebererkrankung

    Kernthese Nr. 5:

    Die nicht-alkoholische Fettlebererkrankung (NAFLD) ist eine der häufigsten chronischen Lebererkrankungen in westlichen Zivilisationen.

    Kernthese Nr. 6:

    Neben alimentären Faktoren bedingen zunehmend auch Umweltfaktoren und Veränderungen des Mikrobiom Entstehung und Progress der nicht-alkoholische Fettlebererkrankung (NAFLD).

    Prof. Dr. med. habil. Ulrich Amon, (Facharzt für Dermatologie – Allergologie / Lasermedizin – operative Dermatologie, Internationales Hautarztzentrum DermAllegra, Hohenstadt) zum Thema: Akne & Rosacea: Möglichkeiten zur ganzheitlichen Behandlung

    Kernthese Nr. 7:

    Akne und Rosacea – beides Erkrankungen der Talgdrüsen – ähneln einander, müssen jedoch klinisch definitiv differenziert werden, da Entstehung und kausale Behandlung sehr unterschiedlich sind. Mikronährstoffe sind bei beiden Erkrankungen von grosser Bedeutung.

    Kernthese Nr. 8:

    Durch Einsatz der Kombination aus Vitamin D/Vitamin A (ggf. orale Vitamin A Säure), Selen, Zink und Pro/Präbiotika unter Berücksichtigung einer Nahrungsumstellung und Meidung von Schubfaktoren ist in der heutigen Zeit eine hervorragende Möglichkeit zur langfristigen Stabilisierung beider Hauterkrankungen gegeben.

    Dr. med. Kurt Mosetter (Zentrum für interdisziplinäre Therapie, Konstanz) zum Thema: Die Essenz dreier Nobelpreise – DNA Reparatur, das Autophagosom und Mitochondrien sowie das Regelsystem des inneren Rhythmus

    Kernthese Nr. 9:

    Prozesse im Körper beinhalten viele molekularbiologischen Details und benötigen eine entsprechende tiefgreifende human-medizinische Betrachtung.

    Kernthese Nr. 10:

    Der Einfluss der körpereigenen Prozesse auf unseren Alltag ist weit grösser als vermutet. Umgekehrt können wir auch über unser Verhalten auf die molekularbiologischen Prozesse weit mehr Einfluss nehmen, als lange gedacht.

    Die SfGU dankt den Referenten herzlich für ihre wertvollen Beiträge, den Teilnehmenden für ihren Besuch und den regen Austausch sowie dem Lilienberg Unternehmerforum für die Gastfreundschaft und die langjährige ausgezeichnete Zusammenarbeit. Die Dokumentation zum 13. Internationalen Bodenseekongress erscheint als Sonderausgabe der OrthoNews im Oktober 2018 – mit einer kompakten Zusammenfassung sämtlicher Fachvorträge, einer von der SfGU fachlich kommentierten Version der 10 Kernthesen sowie weiteren Eindrücken vom Tag in Wort und Bild. Alle Teilnehmenden erhalten die OrthoNews kostenlos per Post. Sollten Sie an mehreren Exemplaren interessiert sein, so nehmen Sie bitte Kontakt mit unserer Frau Carmen Münst auf: veranstaltungen@sfgu.ch

    Zusammenfassung des Tagesseminars – „Herausforderung Elektrosmog“

    Was hat moderne Orthomolekulare- und Regulationsmedizin mit Elektrosmog zu tun? Mit dieser Frage beschäftigten sich die drei Fachreferenten, Dr. Uwe Thums, Dr. Diana Henz und Andreas Scheler, an der zertifizierten SfGU-Weiterbildung im Hotel Marriott in Zürich und zeigten auf, welchen Einfluss elektromagnetische Strahlen auf den menschlichen Körper haben und was man dagegen tun kann. Einig waren sich alle Drei: Elektromagnetische Strahlungen produzieren oxidativen Stress und sollten möglichst gering gehalten werden.

    „Ziel jeder Behandlung muss es sein, möglichst viele Synergien zu erreichen“, so die einführenden Worte von Dr. Uwe Thums, Arzt mit eigener, komplementärmedizinischer Praxis in Eppstein bei Frankfurt. Der Mensch muss als selbstregulierendes biologisches System, das in stetigem Wechselspiel mit seinem Umfeld stehe, verstanden und behandelt werden. Deshalb müssten auch die Einflüsse von elektromagnetischen Strahlungen auf den Körper beachtet werden. An die natürlichen Strahlungen habe der Mensch sich anpassen müssen, während die künstlich erzeugten Strahlungen, z.B. der mittlerweile allgegenwärtigen Mobilfunk, sich negativ auf den Stoffwechsel auswirke. Biologische Systeme hätten am liebsten Sinuswellen, während die E-Smog-Wellen, gestückelt oder gepulst sind. Genauso wie es wetterfühlige Menschen gebe, kann die Reaktion auf E-Smog beim Menschen sehr unterschiedlich sein. Der Mensch habe zwar keine Sinnesorgane, die bewusst elektromagnetische Strahlungen wahrnehmen können, trotzdem reagiere der Stoffwechsel auf entsprechende Belastungen. Die Signale wirken wie Hormone am Rezeptor der Körperzelle und wir wissen noch nicht, was genau sie bewirken. Jedenfalls werde primär das sympathische Nervensystem angeregt, während der Parasympathikus, also das Nervensystem, das regenerierend und vor allem nachts arbeiten sollte, inaktiviert wird. Das menschliche Gehirn brauche mindestens eine 6 stündige „Detox-Phase“, was E-Smog generell, aber speziell auch am Schlafplatz (z.B. Handy oder andere Elektrogeräte) verhindern würde. Das wäre mit ein Grund, warum immer mehr Menschen, speziell aber auch Kinder, über zunehmende Stressbelastung klagen würden.

    In den letzten 10 Jahren wurden über 80 wissenschaftliche Studien publiziert, die die vorwiegend negativen und schädigenden Effekte der Mobilfunkstrahlung auf Mensch und Tier beweisen, so Dr. Diana Henz, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sportwissenschaft an der Johannes Gutenberg Universität in Mainz. Durch hochfrequente Strahlung komme es nachweislich zu Verschiebungen der Gehirnaktivität zu Lasten der Schlafarchitektur, Therapie- und Lernkonzepte funktionierten nicht mehr, es komme vermehrt zu Konzentrations- und Gedächtnisproblemen, speziell auch bei Kindern, ADHS verschlimmere sich u.s.w. Das wären keine Verhaltensprobleme, sondern der physikalische Einfluss hochfrequenter Strahlung auf den Theta-Rhythmus (Entspannung-Regeneration) des Gehirns! Um eine 20minütige Belastung durch Handystrahlung zu kompensieren, brauche das Gehirn rund 3 Stunden. An einer doppelblinden, Placebo kontrollierten Studie

    (https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fnins.2018.00190/full) konnte Frau Dr. Henz mittels EEG-Messungen bildlich dargestellt zeigen, welchen negativen Einfluss Handystrahlung auf die Gehirnwellen haben. Selbst die Konzentrationsleistungen der Probanden (Studenten der Uni Mainz) sinke messbar unter dem Einfluss von Mobilfunkstrahlung. Auch konnte an dieser von der SfGU-Stiftung in Auftrag gegebene Studie erstmals weltweit bewiesen und publiziert werden, dass es mit der sogenannten Gabriel-Technologie einfache Möglichkeiten gibt, die Belastungen durch hochfrequente, gepulste Strahlungen am Arbeitsplatz, am Schlafplatz und auch im Auto signifikant zu senken (www.gabriel-tech.de). Weitere Untersuchungen im normalen und im Elektro-Auto würden zeigen, dass vor allem während dem Fahren die Belastung durch elektromagnetische Strahlen erschreckend hoch wären und die Fahrer und Mitfahrer beunruhigend massiv belasten würden.

    Krankmachende Einflüsse auf den Menschen müssten erkannt und eliminiert werden. Das wäre das Ziel jeder Therapie und Behandlung, so Andreas Scheler, medizinischer Leiter des Instituts für angewandte Biochemie in Kreuzlingen und Arzt mit Praxen in Kreuzlingen und Zürich, dazu gehöre auch der Elektrosmog. Der daraus im Körper entstehende oxidative Stress durch eine Überproduktion von freien Radikalen erzeuge messbare Schäden an der Zellmembran, aber auch an den Mitochondrien und sogar an der DNA. Sind die Schädigungen so hoch, dass sie nicht mehr richtig und zeitnah repariert werden können, komme es unvermeidlich zu chronischen Entzündungen (silent inflammation) und zu Erkrankungen, wie Herzinfarkt, Diabetes, Depressionen, Demenz u.a. Aber auch Signal- und Steuerungsmechanismen im Körper können durch E-Smog-Einflüsse gestört werden und es komme vermehrt zu Steuerungs- und Regulationsprobleme im Stoffwechsel von Mensch, Tier und Pflanze.

    Die Lösungsansätze der Probleme, so waren sich die Referenten einig, wären immer wieder die gleichen: Degenerative Einflüsse müssten auf allen Ebenen gesenkt, regenerative Einflüsse verstärkt werden. Im Klartext hiesse das: Gewichtsreduktion wo notwendig, Entgiftung, Reduktion des E-Smogs am Arbeits-/Schlafplatz und im Auto, ausreichende tägliche Zufuhr von Mikronährstoffen, Aminosäuren und Fettsäuren wie Antioxidantien, B-Vitamine, Vitamin D, Zink, Selen, Arginin, Omega-3-Fettsäuren u.a. und natürlich eine möglichst ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung mit viel sauberem Wasser.

    Am Schluss der Veranstaltung präsentierte der Arzt Andreas Scheler noch einen Fall aus seiner Praxis, um auf zu zeigen, dass man heute sehr vielschichtig, d.h. eben auch an E-Smog Belastungen zu denken, schrittweise und mit der notwendigen Geduld und Ausdauer vorgehen muss, um als Therapeut und Patient messbare Erfolge erzielen zu können. Und auf das komme es ja schliesslich an (Ausführlicher Fallbericht dann in einer der nächsten „Meine Gesundheit“ Ausgabe).

    Gesund ans Ziel

    „Gesund ans Ziel“ – SfGU lanciert Weiterbildung für Lkw-Chauffeure

    Nach seinem ersten Aufenthalt im Fachkurhaus Seeblick war Fahrlehrer Mario Mangold aus Müllheim (TG) begeistert und überzeugt von den gesundheitlichen Erfolgen, die er dort mit den Methoden der Regulationsmedizin erzielen konnte. Mit dem Entschluss, seiner Gesundheit etwas Gutes zu tun, erschlossen sich ihm damit neue Wege, um seine Ziele zu erreichen: „Ich wollte 1. meinen Diabetes auf natürliche Art auf Kurs bringen, 2. mein Gewicht reduzieren und 3. die Ursache für meine Muskelkrämpfe herausfinden.“ Bei Mario Mangold hat die Intensivkur(s)-Woche dazu geführt, dass er sich heute „wie eine richtig eingestellte Maschine ohne Fehlzündungen“ fühlt – „ausgeglichen und belastbar“. Konkret bedeutet das in seinem Fall, dass er sämtliche Ziele, die er sich gesteckt hatte, innerhalb von sieben Tagen erreicht hat.

    Medizin mit Weitblick und Tiefgang

    Davon wollte er auch den Lkw-Chauffeuren in seiner Fahrschule etwas mit auf den Weg geben – „Einblicke in eine für mich neue medizinische Welt mit Weitblick und Tiefgang, die ohne mahnenden Zeigefinger auskommt.“ So brachte er einen Stein ins Rollen, was zu der neuen eintägigen Pilot-Weiterbildung „Gesund ans Ziel“ geführt hat, die von der Stiftung für Gesundheit und Umwelt (SfGU) nach der schweizerischen Chauffeurzulassungsverordnung (CZV) am Samstag, 14. April 2018, erstmals durchgeführt wurde.

    Vielseitiges Programm

    Abgestimmt auf die Gesundheitsrisiken von Berufsfahrern lernten die 16 Teilnehmenden in dem voll besetzten Kurs das SALUSMED-Prinzip für ein langes Leben in Gesundheit kennen – in Verbindung mit einer Körperfettmessung, dem Ermitteln des Fettleberindex, einem Experiment mit dem Alterssimulationsanzug GERT, einem gesunden Mittagessen mit Produkten aus dem EPD-Ernährungsprogramm, Übungen für Rücken-Power sowie Antworten auf die Frage, was 10´000 Schritte am Tag bewirken…

    Ab August findet der Kurs „Gesund ans Ziel“ monatlich statt. Auskunft und Information erteilt die SfGU oder: www.trigan-weiterbildung.ch

    Zusammenfassung des Tagesseminars – Die Leber als zentrales Stoffwechselorgan

    Die Leber als zentrales Stoffwechselorgan

    Anlässlich der SfGU-Weiterbildung für Therapeuten im Hotel Marriott am 8. März 2018, stand die Leber als wichtigstes Entgiftungsorgan im Fokus. Zum Thema sprachen die erfahrenen Ärzte und Allgemeinmediziner Dr. Simon Feldhaus, Andreas Scheler und Dr. Padia Rasch. In Theorie und Praxis wurden neue regulationsmedizinische Ansätze zu vielen sogenannten Zivilisationserkrankungen aufgezeigt, bei denen die Leber als zentrales Stoffwechselorgan eine wichtige Rolle spielt.

    „Die Müdigkeit ist der Schmerz der Leber“ und „Ist Dir eine Laus über die Leber gelaufen“ sind alte Sprichworte, die darauf hindeuten, dass die Leber als zentrales Stoffwechselorgan auch schon lange bei unseren Vorfahren Beachtung fand. In der heutigen Schulmedizin beschränkt man sich oftmals auf das Messen der Leberwerte und wenn diese innerhalb der Norm sind, gilt die Leber als gesund. Dass aber die Leber auf Grund von zunehmenden Schadstoffbelastungen, Stress, verändertem Lifestyle und dadurch auch Veränderungen des Mikrobioms immer stärkeren Belastungen ausgesetzt ist und sich dadurch langsam aber stetig entzündet (silent inflammation) und in Folge verfettet und zur Fettleber wird, wird in der Schulmedizin noch viel zu wenig beachtet.


    Zum Beispiel sind Schlafstörungen, Depressionen, chronisches Müdigkeitssyndrom und Burnout psychische oder allenfalls psychosomatische Störungen, die nicht oder eben auf der falschen Ebene behandelt werden. Schätzungen zeigen aber, dass bereits heute schon 20 bis 30% der Bevölkerung eine Fettleber haben, Tendenz steigend! Mit dem Berechnen des Fettleberindexes, gibt es eine einfache Möglichkeit für jeden Arzt und Therapeuten, das Risiko für eine Fettleber zu berechnen. Die Behandlung der Leber sollte immer auch mit einer Behandlung des Darmes, bzw. des Mikrobioms einhergehen. Erst das einwandfreie Zusammenspiel von Microbiom und Leber ermöglicht einen gesunden, ungestörten Stoffwechsel.

    Zur Behandlung eines gestörten Stoffwechsels und der Fettleber reicht es aber nicht aus, ein paar Bitterstoffe für die Leber und ein paar Lactobazillen für den Darm zu schlucken, vielmehr müssen zuerst einmal Mikronährstoffdefizite ermittelt und dauerhaft (!) beseitigt werden, bevor mit Pflanzenstoffen, Pre- und Probiotika weiter therapiert werden kann. Aber auch eine deutliche Kalorienreduktion (ca. 800kcal/Tag) über 3 bis 8 Wochen, um die Fettverbrennung anzukurbeln und eine anschliessende Ernährungsanpassung (basische Ernährung mit viel Gemüse und möglichst wenig Zucker und Fructose, bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten als Rotationsdiät durchgeführt) sind die Basis einer wirksamen Sanierung des Mikrobioms und der Leberentfettung und -entgiftung.

    Eine erfolgreiche Darm-/Lebertherapie braucht allerdings seine Zeit (bis zu 12 Monaten und mehr), aber es lohnt sich, da sogar viele als schulmedizinisch chronische geltende Erkrankungen (z.B. Diabetes Typ 2, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen u.a.), wieder rückgängig gemacht werden könnten.

    Anhand von zwei sehr eindrücklichen Fällen aus der Seeblick-Praxis konnte Frau Dr. Rasch zum Schluss der interessanten Ausführungen der zwei Vorredner aufzeigen, wie eine erfolgreiche Therapie in der Praxis aussehen kann.