Mitochondriale Medizin, Darm und Stoffwechsel – wie gesundes Altern in der Praxis gestaltbar wird
Am Tagesseminar vom 6. November 2025 widmete sich die SfGU im Hotel Marriott Zürich City einem zentralen Thema der modernen Regulationsmedizin: «Mitochondriale Medizin – Schlüsselfaktor für Gesundheit und Energie».
Unter der Moderation von SfGU-Präsident Andreas Hefel zeigten Prof. Dr. Jörg Bergemann (Studiendekan Biomedical Sciences, Hochschule Albstadt-Sigmaringen) und Dr. med. Claas Hohmann (Ärztlicher Direktor Buff Medical Resort), wie eng Mitochondrien, Darm und metabolische Gesundheit verflochten sind – und wie Fachpersonen diese Achsen gezielt regulativ nutzen können.

Jörg Bergemann rückte die Mitochondrien als Schlüsselsystem des gesunden Älterwerdens – Longevity – in den Mittelpunkt. Altern sei weniger Verschleiss als eine Regulationsfrage auf mitochondrialer Ebene: Genomstabilität, Autophagie, Entzündung und Energiestoffwechsel sind eng verschaltet. Ziel sei nicht «ewiges Leben», sondern komprimierte Morbidität – viele Jahre in funktioneller Gesundheit, wenige in Krankheit.
Anhand von Daten zeigte er, dass das EPD-Ernährungsprogramm die mitochondriale Respiration insbesondere bei Personen mit niedriger Ausgangsleistung signifikant verbessern kann. EPD erscheint damit als mitochondriales Trainings- und Entlastungsprogramm, das die Kalorienzufuhr strukturiert reduziert und ein Milieu schafft, in dem Autophagie- und Aufräumprozesse verstärkt, aber ausbalanciert ablaufen können.
In diesem Rahmen ordnete er «Mitoceuticals» wie Spermidin ein: gezielt eingesetzte Substanzen, die Autophagie und zelluläre Ordnung unterstützen. Sie entfalten ihr Potenzial dann, wenn das stoffwechsel- und ernährungsmedizinische Umfeld bereits regulativ ausgerichtet ist.
Sehr nah an der klinischen Realität waren seine Beispiele aus dem Alltag: Auch im Pflegeheim lasse sich mit gezielten Bewegungsimpulsen, angepasster Ernährung und strukturierten Ernährungsprogrammen wie EPD noch viel für die mitochondriale Resilienz tun.

Metabolom statt Mikrobiom
Claas Hohmann erweiterte den Blick um die Darm–Mitochondrien–Stoffwechsel-Achse. Mitochondrien und Darmbakterien seien, so sein Bild, «Schwestern, die sich richtig gut verstehen» – ständig im biochemischen Austausch.
Entscheidend sei weniger das Mikrobiom im engeren Sinn als das Metabolom: die Stoffwechselprodukte der Bakterien. Fäulnis- und Gärprodukte, sekundäre Gallensäuren, Ammoniak, LPS und TMAO treiben Low-grade-Inflammation und mitochondrialen Stress; kurzkettige Fettsäuren wie Butyrat, Propionat und Acetat, Urolithin A, Polyamine und bakterielle B-Vitamine stärken dagegen Barriere, Milieu und Mitochondrienfunktion.
Ergänzt wurde diese Perspektive durch ein modernes Verständnis des Laktatshuttles: Laktat als Energie- und Informationscarrier zwischen Muskeln, Herz, Gehirn und Mitochondrien – ein metabolisches Netzwerk, das nur in einem gut trainierten, mikronährstoffversorgten System optimal funktioniert.

Orchester statt Einzelstimme
Andreas Hefel machte als Moderator deutlich, dass es in der SfGU nicht um isolierte «Wundermittel» geht, sondern um das Zusammenspiel von Diagnostik, Lebensstil, Makro- und Mikronährstoffsystemen, Darm- und Milieutherapie. Eine einzelne Massnahme sei wie eine Geige – erst im Orchester entstehe Wirkung.
Für Ärzte, Therapeuten, Apotheker und Drogisten ergab sich aus diesem Tag ein klarer roter Faden: Longevity – gesundes Älterwerden – ist gestaltbar, wenn Mitochondrien, Darm und Stoffwechsel als funktionelle Einheit betrachtet werden – und wenn funktionelle Diagnostik als Kompass für regulative Therapiewege dient.
Ausblick 2026 – Save the date
- 26. März 2026: Tagesseminar Darm – Vertiefung der Darm–Mikrobiom–Stoffwechsel-Achse
- 28. Mai 2026: Tagesseminar Frauengesundheit
- 5. November 2026: Tagesseminar Circadianer Rhythmus & Schlaf
- Höhepunkt des Jahres ist der 20. Internationale Bodenseekongress am 12. September 2026.





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