Wirkung von EMS im 5G-Bereich auf Gehirn, Immunsystem und kognitive Funktionen. Grundlagenforschung, Prävention und Therapieansätze.

Einem brisanten und hochaktuellen Thema war das Tagesseminar der Stiftung für Gesundheit und Umwelt (SfGU) gewidmet, das am 10. November 2022 im Hotel Marriott in Zürich stattgefunden hat – dem Einfluss von elektromagnetischen Feldern (EMF) im 5G-Bereich auf die Gehirnaktivität, das Immunsystem und die mitochondriale Bioenergetik. Im Fokus standen dabei u.a. die Resultate einer experimentellen Laborstudie, die im Auftrag der SfGU durchgeführt wurde. Aus erster Hand erfuhren die Tagungsteilnehmer von den leitenden Wissenschaftlern – der Kognitions- und Neurowissenschaftlerin Dr. Diana Henz sowie dem Umweltmediziner Dr. med. Kurt Müller – wie sich ein halbstündiges Telefonat im 5G-Netz der Deutschen Telekom mit dem iPhone 12 auswirkt und wie Nutzer sich wirksam davor schützen können.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass bei insgesamt 16 Probanden eine sehr starke allgemeine Stressaktivierung in den temporalen und okzipitalen Arealen des Gehirns festgestellt werden konnte. Ebenso war zu sehen, dass die 5G-Strahlung sehr tief in das Gehirn eindringt und auch das limbische System erreicht. Darüber hinaus konnten mit dem iPhone 12 erstmals Effekte gemessen werden, die bei den Vorgängermodellen nicht zu beobachten waren – eine Beteiligung der Zirbeldrüse sowie des Hypothalamus. Ein 30-minütiges Telefongespräch im 5G-Netz reichte bereits aus, um die mitochondriale Reserveatmungskapazität um mehr als die Hälfte zu reduzieren und eine Immunreaktion auszulösen.

Dr. med. Kurt Müller ging in diesem Zusammenhang darauf ein, „dass die Entwicklung einer sich rasch ändernden Umwelt mit ständiger Bioverfügbarkeit von Stoffen und elektromagnetischen Feldern, die es früher nicht gab, dazu geführt hat, dass bisher nicht in diesem Umfang beobachtete Trends der Immunreaktionen ausgelöst werden. Das Immunsystem unterscheidet fremd und vertraut nicht mehr mit gleicher Zuverlässigkeit.“ Die von den Infektionen her bekannte Kaskade von Stickstoffmonoxid, Superoxid, Peroxinitrit, oxidativem Stress sowie der Aktivierung von NF-kB mit einer zeitlich folgenden erhöhten Freisetzung proinflammatorischer Zytokine werde auch durch EMF ausgelöst. Schon früh erkannt worden sei die zentrale Bedeutung von Interleukin (IL)-1. 5G sei dabei keine Ausnahme. „Es konnte eine pathologisch erhöhte Freisetzung der proinflammatorischen Zytokine IL-1ß und TNF-α im Untersuchungszeitraum von zwei Stunden nachgewiesen werden. Ihre Expression kommt als Verursacher von `silent inflammation´ ebenso in Betracht wie als Verursacher der Störung der neuroendokrinen Stressachse“, erläuterte Müller.

Dr. Diana Henz bezeichnete diese Resultate als „alarmierend“: „Das hat uns aufhorchen lassen – vor allem wenn man an Personen denkt, die täglich für längere Zeit mit dem Smartphone telefonieren.“ Mit dieser wissenschaftlich publizierten Studie* wurden nicht nur Risiken durch 5G erforscht, sondern auch die Wirksamkeit einer Entstörungs-Technologie überprüft. „Die Anwendung der Gabriel-Technologie führt zu einer Reduktion der Stressaktivierung und auch dazu, dass die Immunreaktion weniger stark ausfällt. Bereits 90 Minuten nach dem 5G-Telefonat kann das Ausgangsniveau wieder annähernd erreicht werden. Die Reduktion der Reserveatmungskapazität der Mitochondrien fällt ebenfalls signifikant geringer aus, wenn ein mit dem `Gabriel Chip 5G´ entstörtes iPhone 12 genutzt wird. Nach 90 Minuten befindet sie sich dann fast wieder auf dem Level der Basismessung.“ Über die Anwendung dieser wissenschaftlich anerkannten Technologie hinaus sprach sich Henz dafür aus, kombinierte Konzepte für Therapie und Prävention zu entwickeln und umzusetzen: „Nicht nur eine Entstörungs-Technologie ist wichtig, sondern gleichzeitig auch die organismische Basis, dass ganzheitliche therapeutische Ansätze tatsächlich auch wirken können – also beispielsweise begleitende bedarfsgerechte Mikronährstofftherapien sowie frequenzbasierte Therapiemethoden die die Gehirnaktivität zurück in ein natürliches Gleichgewicht bringen.“ (JÜK)

* Diana Henz (2022). SHIELDING CHIPS REDUCE EFFECTS ON EEG BRAIN ACTIVITY, IMMUNE FUNCTIONS, AND MITOCHONDRIAL BIOENERGETICS INDUCED BY ELECTROMAGNETIC RADIATION IN THE 5G RANGE. Psychophysiology, SI, S137.

Nachbericht: 16. Internationaler Bodenseekongress

Wertvolle Erkenntnisse aus der Welt der Mikronährstoffmedizin.

Im voll besetzten Lilienberg-Konferenzzentrum fand am Samstag, 10. September, der 16. Internationale Bodenseekongress für Regulations- und Moderne Orthomolekulare Medizin statt. Rund 200 Ärzte, Therapeuten, Apotheker und Drogisten hörten neueste Erkenntnisse im Bereich der Mikronährstoffmedizin. Neben hochkarätigen Fachvorträgen boten die Fragerunden und Pausen ausreichend Gelegenheit für Diskussionen, den persönlichen Austausch und den Besuch der Ausstellerstände.

Inhaltlich reichte das Spektrum von Autoimmunerkrankungen (Prof. Dr. med. habil. Ulrich Amon), über Vitamin D (Assoc. Prof. Dr. Rodrig Marculescu) bis hin zu Strategien zur Alzheimer- und Demenzprävention (Dr. med. Kurt Mosetter). Über biomolekulare Konsequenzen von chronischem und traumatischem Stress aus Sicht der psychoneuroimmunologischen Biomarker-Forschung referierte Dr. Alexander Karabatsiakis. Mit Polyphenolen gegen SARS-CoV-2 beschäftige sich Prof. Dr. med. Sigrun Chrubasik. Evidenzbasierte Ergebnisse individualisierter Mikronährstofftherapien standen im Mittelpunkt von drei weiteren Präsentationen: Absolventen gaben Einblicke in ihre Masterarbeiten, die im Rahmen des Master- und Zertifikatsstudiengangs für Mikronährstofftherapie & Regulationsmedizin an der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) entstanden sind: Renée Lohbusch ging darauf ein, wie sich individualisierte Mikronährstoffrezepturen bei Personen mit Kinderwunsch auf körpereigene Regulationssysteme auswirken. Felix Euchner beschäftigte sich mit dem Einfluss von Magnesium auf die Balance des vegetativen Nervensystems und die Lebensqualität. In Vertretung stellte Studiengangleiter Prof. Dr. Elmar Wienecke eine retrospektive Interventionsstudie vor, die dem Einfluss von Mikronährstoffen auf die Pollen- und Hausstauballergie gewidmet ist.

Für Andreas Hefel, Präsident der Stiftung für Gesundheit und Umwelt (SfGU), verdeutlichte das Programm des Internationalen Bodenseekongresses einmal mehr, dass nichtübertragbare Krankheiten erfolgreich vermieden und ursächlich behandelt werden können. Ihm zufolge braucht es dafür eine personalisierte Ernährung mit ausreichend Mikronährstoffen, gezielte Bewegung (ca. 10‘000 Schritte pro Tag oder 20 Minuten Sport), eine Reduktion von Schadstoffbelastungen (z. B. Elektrosmog durch die Gabriel-Technologie) und den täglichen Einsatz von geeigneten Entspannungsmethoden (z. B. Farben und binaurale Beats mit dem CB12-System) – einfache Massnahmen, die unter professioneller Anleitung täglich umgesetzt werden können.

Die zahlreichen Inhalte des 16. Internationalen Bodenseekongresses werden redaktionell aufbereitet und zugänglich gemacht: Die OrthoNews – die Fachpublikation zur Tagung – erscheinen Mitte Oktober. Fast alle Vorträge werden in voller Länge auf QS24 («Back to school»), auf YouTube sowie in der SALUSMED-Mediathek zu sehen sein. Ergänzend dazu werden im QS24-Programm «Naturmedizin» auch TV-Interviews mit den Referenten ausgestrahlt, die im «Lilienberg» ausgezeichnet wurden. 


Der 17. Internationale Bodenseekongress findet am Samstag, 9. September 2023, statt.

Impressionen zur Veranstaltung 

Post-COVID Syndrom: mitochondriale Funktion stärken, Parasympathikus aktivieren

Post-COVID Syndrom: mitochondriale Funktion stärken, Parasympathikus aktivieren

An einem Tagesseminar der Stiftung für Gesundheit und Umwelt (SfGU) beschäftigten sich Ärzte, Therapeuten, Apotheker und Drogisten damit, welche Möglichkeiten die Regulations- und Moderne Orthomolekulare Medizin hat, um „Long-“ oder „Post-COVID“ zu behandeln. „Nach dem Virus bleibt die Müdigkeit“ lautete der Titel dieser Fachveranstaltung, die am 2. Juni 2022 im Marriott Hotel in Zürich stattgefunden hat.

Wer nach den Begriffen „Long-COVID“ oder „Post-COVID“ googelt, der stösst auf rund 9 Milliarden Ergebnisse – eine stattliche Zahl in Anbetracht der Tatsache, dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erst im Oktober 2021 eine erste Fallbeschreibung von Langzeitfolgen einer COVID-19-Erkrankung veröffentlichte. Obwohl eine Patientenleitlinie häufige Symptome beschreibt und erklärt, ist auf diesem Gebiet vieles noch unbekannt. Dr. med. Simon Feldhaus, Chefarzt der Paramed Gruppe, verbreitete an der Tagung aus eigener Praxis-Erfahrung Zuversicht, dass diese „komplexe Erkrankung durch einen integrativen Behandlungsansatz durchaus erfolgreich therapiert werden kann“. Er sieht keinen Grund dafür, auf dieses „Phänomen“ mit überzogener Angst zu reagieren, die über die Berichterstattung in den Massenmedien geschürt wird. Sein Hauptaugenmerk richtet der Mediziner darauf, das Post-COVID Syndrom durch Behandlung des akuten Infektes mit SarsCOV2 präventiv zu verhindern: „Es existieren gute Daten zur hochdosierten Gabe von Vitamin D, Vitamin C, Omega 3 sowie Selen und Zink. Auch Behandlungsprotokolle mit Ivermectin sind in Studien durchaus erfolgreich getestet worden.“ In seinen beiden Vorträgen erläuterte Feldhaus ausführlich, dass die mitochondriale Funktion im Rahmen der antiviralen Immunantwort sowie bei der Regulierung metabolischer Stoffwechselwege von Immunzellen eine zentrale Rolle spielt: „Mitochondrien sind in der Lage, die metabolische Aktivität und Funktion von Zellen vor allem der angeborenen Immunantwort zu modulieren.“ Eine reduzierte Mitochondrienaktivität sei höchstwahrscheinlich auch an der Entstehung des Post-COVID Syndroms beteiligt, selbst wenn die genaue Ursache noch nicht vollständig geklärt sei. Neben der individuellen Mikronährstoffdiagnostik ging er in diesem Zusammenhang auch auf die Mitochondrien-Analytik als unverzichtbare diagnostische Grundlage ein.

Knut Groth, Spezialist auf dem Gebiet der Herzratenvariabilität, sprach zum Thema „Post-COVID Stress Disorder – messbar erfolgreich intervenieren!“ Dabei knüpfte er an seinem Vorredner an, z.B. mit seinen Ausführungen zu den Themen Angst und Stress, und stellte eine These in den Raum: „Wir haben es bei „Long-COVID“ oder „Post-COVID“ mit einer Sympathikotonie zu tun, den Erscheinungsformen, die bei einer Überlastung des Körpers auftreten.“ Eine permanente „Habachtstellung“, z.B. dass jemand aus dem engsten Umfeld ernsthaft am Coronavirus erkranken könne, führe u.a. zu einem sehr stark erhöhten Energieverbrauch. Vor diesem Hintergrund appellierte Groth daran, den Körper und die Psyche als ganzheitliches Konstrukt zu betrachten sowie das vegetative Nervensystem über die Herzratenvariabilität (HRV) zu analysieren. Die Bedeutung dieses Ansatzes untermauerte er anhand von Messwerten mit dem „Vieva“-System. Demnach erhöhte sich z.B. der chronische Stress-Index bei fast 21´000 Personen ab 2020 im Durchschnitt um 38,4 Prozent. Bei mehr als 5´100 Personen wurde in diesem Zeitraum gemessen, dass sich der Immun-Status um 23,4 Prozent reduzierte. „Der Stress nimmt zu, das Immunsystem wird schwächer – das hat signifikante Auswirkungen auf die Anfälligkeit für Erkrankungen und gesundheitliche Störungen“, folgerte der Referent. Was tun? Dafür plädierte er für eine Kombination von Massnahmen zur Stärkung des Parasympathikus, wie z.B. körperliche Entgiftung und Unterstützung zur Ausleitung, einen individuell angepassten „Powermix für mehr Energie“ auf Basis einer HCK-Mikronährstoffmischung sowie die Aktivierung regenerativer Prozesse mit einem frequenzbasierten Therapieverfahren wie der ColorBox12.

Mit zwei Fallbeispielen aus ihrer ambulanten Praxis im Fachkurhaus Seeblick rundete Dr. med. Padia Rasch dieses Tagesseminar inhaltlich ab. Andreas Hefel, Präsident der SfGU, fasste abschliessend zusammen, z.B.: „Vitamin D3 im Keller, Omega-3-Fettsäuren im Keller, Coenzym Q10 im Keller, bei Frauen sehr oft Ferritin im Keller – das ist sehr oft Normalzustand. Da liegt eine der Herausforderungen: Wie behandle ich eine Virusinfektion, ohne dass es zu gesundheitlichen Langzeitfolgen kommt?“ Er schloss das Tagesseminar mit der Aufforderung, Daten zu sammeln: „Um konkrete Aussagen treffen zu wollen, brauchen wir Daten, Daten, Daten, die wir mit modernen Analysesystemen zentral verwalten und anonym auswerten können.“ (JÜK)

Gezielt an- und abschalten: Die Aktivität der Gene steuern

„Epigenetik – wer bestimmt über Wohl oder Unwohl? Gene oder Lebensstil?“ An einem Tagesseminar der Stiftung für Gesundheit und Umwelt (SfGU), das am 19. Mai 2022 im Hotel Marriott in Zürich stattfand, gingen Ärzte, Therapeuten, Apotheker und Drogisten dieser Frage nach. Die Referierenden Corinna van der Eerden (AFMCP/FMCHC) und Dr. med. Manuel Burzler führten sie dazu durch ein umfassendes Vortragsprogramm, das von Andreas Hefel (Präsident der SfGU) eröffnet wurde.

Dabei präsentierte er aktuelle Zahlen von der neu gegründeten Society of European Nutritionist Associations (SENA), wonach die wichtigsten fünf nichtübertragbaren Krankheiten (noncommunicable diseases – NCDs), also Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, chronische Atemwegserkrankungen und psychische Störungen), für ca. 86% der Todesfälle und 77% der Krankheitslast in Europa verantwortlich sind. Der Forderung nach überfälligen Massnahmen zur Bekämpfung von Risikofaktoren schloss er sich mit Nachdruck an. Welche Rolle die Epigenetik spielt, veranschaulichte Manuel Burzler: „Sind wir unseren Genen ausgeliefert? Nein, das sind wir eben nicht. Von den geerbten Genen haben nur ca. 25% eine Auswirkung auf uns, auf 75% können wir Einfluss nehmen. Und nur zwischen 1 und 2% der Erkrankungen sind komplett genetisch bestimmt.“

Entscheidend sei also, wie die Genaktivität reguliert werden könne, also über welche Möglichkeiten der Körper verfüge, Gene an- und abzuschalten. Dabei ging er auf die Bedeutung der DNA-Methylierung, der Histon-Modifikation und der microRNA´s ein und verknüpfte die fünf Einflussbereiche für eine gesunde Epigenetik – die Psycho-, Nutri-, Physio-, Sozio- und transgenerationale Epigenetik – zu einem ganzheitlichen Ansatz.

Perspektiven eröffnete auch Corinna van der Eerden: „Die Genexpression beeinflussen zu können, ist ein riesiges Geschenk. Es hilft uns dabei, Menschen die Macht zu geben, selbst zu intervenieren. Wir können uns jeden Tag bewusst dafür entscheiden, uns in den verschiedenen Einflussbereichen Gutes zu tun.“ Um individuell das optimale Ergebnis zu erzielen, gibt es ihr zufolge „einen grossen Hebel“ – die Kombination von Tools, die auch biochemisch wirksam sind. „Um das tun zu können, was wir tun, brauchen wir eine Energiequelle und die nötigen Baustoffe. Aus Nichts kann der Körper Nichts machen“, ging die Referentin auf den Zusammenhang zwischen Epigenetik und Biochemie ein. Entscheidend seien dabei der individuelle Nährstoffbedarf und die individuelle Nährstoffverfügbarkeit, was wiederum von vielen Faktoren abhängig sei: Genetik, Umwelt, Stress, Lebensstil, Lebensphase, Ernährungsweise, Absorptionsfähigkeit, Verdauungskapazität, Mikrobiom, etc. Nach dem Grundsatz „maximieren, minimieren, priorisieren“ sei es möglich, die individuelle Balance für optimale Gesundheit zu erreichen. Dazu gilt es, positive wie negative Einflüsse auf den Organismus herauszufinden und diese gezielt zu stärken bzw. zu reduzieren.

Die Voraussetzung hierfür ist eine Kombination von Selbstwahrnehmung und Analytik. In diesem Zusammenhang stellte Corinna van der Eerden den neuen Labortest IABC DNA Health Care vor, einen gen-basierten Ansatz für eine individualisierte Medizin. Am Beispiel einer bedarfsgerechten Versorgung mit Mikronährstoffen zeigte Andreas Hefel auf, wie wichtig neben der Dosierung auch die Kombination der Substanzen ist – von Vitaminen, Mineralien, Spurenelementen, Aminosäuren, Fettsäuen und sekundären Pflanzeninhaltsstoffen: „Eine Geige macht noch lange kein Orchester – das gilt für alle biochemischen Prozesse und damit für eine individualisierte Form der Ernährung, die einen signifikanten Einfluss auf die Expression der Gene hat.“ (JÜK)

Nachbericht: 15. Internationaler Bodenseekongress

„Handy-Chips reduzieren erhöhte EEG-Gehirnaktivitäten, die durch die ausgesendeten elektromagnetischen Felder von Mobiltelefonen verursacht werden“

„Setzen wir Zeichen für die Gesundheitsmedizin der Zukunft!“

Flammende Appelle für die Gesundheit gingen vom 15. Internationalen Bodenseekongress für Regulations- und Moderne Orthomolekulare Medizin aus. Angesehene Wissenschaftler und Praktiker aus unterschiedlichen Fachdisziplinen plädierten dafür, den Menschen als selbstregulierendes biologisches System zu sehen. Mit diesem Verständnis lassen sich Gesundheitsprozesse individuell gestalten und die Anzahl der gesunden Lebensjahre erhöhen.  

Mit überzeugenden Plädoyers für die Gesundheit setzte der 15. Internationale Bodenseekongress für Regulations- und Moderne Orthomolekulare Medizin starke inhaltliche Akzente: 

Unter dem Eindruck von Corona dominierten dabei die präventiven Potentiale für selbstbestimmte, individuelle Gesundheitslösungen. Andreas Hefel (Präsident der Stiftung für Gesundheit und Umwelt, SfGU) eröffnete die Jahrestagung mit einem eindringlichen Appell: „Wenn wir die Menschen gesund erhalten wollen, dann müssen wir dafür sorgen, dass der gesamte Organismus dauerhaft optimal funktioniert!“

Dabei steht im Zentrum, sog. „chronische Vorerkrankungen“ mit innovativen Konzepten der Regulationsmedizin zu vermeiden oder ursächlich zu behandeln. Entsprechend beruhten die Fachvorträge auf einem gemeinsame Grundverständnis, das der Präsident erläuterte: „Der Mensch ist ein selbstregulierendes biologisches System, das ohne massive Eingriffe in den Körper zur Selbstregulation fähig ist. Nutzen wir diese Riesenchance, setzen wir Zeichen und schlagen wir für die Gesundheitsmedizin der Zukunft einen zielführenden Kurs ein!“

Impressionen zur Veranstaltung 

Am Beispiel des Mineralstoffs Magnesium schärfte Prof. Dr. med. Klaus Kisters (Vizepräsident der Gesellschaft für Magnesium-Forschung e.V.) den Blick für das „grosse Ganze“, das nur mit einem guten Ernährungsstatus funktioniere.

Dabei wies er auf einen wesentlichen Aspekt hin, der seit einigen Jahren zunehmend an Bedeutung gewinnt: „Insbesondere in Zeiten wie diesen ist die Wechselwirkung zwischen Magnesium und Vitamin D von grosser Bedeutung.“ Mit dem „grossen Ganzen“ beschäftigte sich auch Prof. DDr. med. Irmgard Simma (Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (ÖGZMK): „Es ist faszinierend, was alles erreicht werden kann, wenn ein Symptom als Pfad verstanden wird, der uns zu dem ursprünglichen Defizit führen will.“

Dr. Diana Henz auf, die an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz die Wirkung elektromagnetischer Felder auf die Gehirn-, Herz- und muskuläre Aktivität erforscht, sprach sich für einen multifaktoriellen Ansatz aus, um den Herausforderungen von elektromagnetischer Strahlung in Prävention und Therapie zu begegnen.

Dabei wies er auf einen wesentlichen Aspekt hin, der seit einigen Jahren zunehmend an Bedeutung gewinnt: „Insbesondere in Zeiten wie diesen ist die Wechselwirkung zwischen Magnesium und Vitamin D von grosser Bedeutung.“ Mit dem „grossen Ganzen“ beschäftigte sich auch Prof. DDr. med. Irmgard Simma (Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (ÖGZMK): „Es ist faszinierend, was alles erreicht werden kann, wenn ein Symptom als Pfad verstanden wird, der uns zu dem ursprünglichen Defizit führen will.“

Dr. Diana Henz auf, die an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz die Wirkung elektromagnetischer Felder auf die Gehirn-, Herz- und muskuläre Aktivität erforscht, sprach sich für einen multifaktoriellen Ansatz aus, um den Herausforderungen von elektromagnetischer Strahlung in Prävention und Therapie zu begegnen.

Zusammenfassung des Tagesseminars

„Vom Zellkraftwerk zum Alleskönner“ Bio-Logische Grundlagen zu den Mitochondrien

„Mitochondriale Medizin – Grundlagen, Diagnosemethoden und zukunftsweisende Therapieformen“

Menschen bestehen aus Zellen. Sind Menschen krank, sind Zellen krank. Die Ursache liegt meistens im Energiemangel und damit bei den Mitochondrien. Wir reden von Mitochondriopathie für die meisten nichtansteckenden Chronischen Erkrankungen. Dabei steht die chronische Inflammation im Mittelpunkt des Stoffwechselgeschehens..

«Chronische Erkrankungen machen evolutionsbiologisch keinen Sinn». Mit diesen Worten wurde am 7. November im Hotel Marriott in Zürich das von der SfGU-Stiftung initiierte Tagesseminar zum Thema Mitochondrien, Zellkraftwerke als Alleskönner von Jörg Hentschel, dipl. Ing., Heilpraktiker und Mitgründer der Forschungsgruppe «Celluar restitution medicine» eingeleitet. Die meisten chronischen Erkrankungen sind auf Entzündungsprozesse und Energiemangel zurück zu führen.

Sind die Menschen krank, sind die Zellen und die Mitochondrien krank. Deshalb muss das Hauptaugenmerk bei der Behandlung – und natürlich auch Vermeidung – von chronischen Erkrankungen auf die zellulären Ebene und damit auf den Zellstoffwechsel und das Regulationssystem gerichtet sein. Schädliche Umwelteinflüsse nehmen weiter zu und verursachen Schäden an der Biomembran, den Mitochondrien und der DNA. Damit werden die Zellaktivitäten eingeschränkt und notwendige Reparatur- und Regenerationsprozesse verhindert. Es kommt zuerst zu Energiedefiziten und stillen Entzündungen, gefolgt von chronischen Erkrankungen.

Chronische Erkrankungen sind deshalb als erstarrte «Cell-Danger-Respons» zu verstehen. Der schulmedizinische Ansatz macht nun den Fehler, sich auf die Behandlung der Symptome mit hochdosierten, meistens synthetischen Einzelsubstanzen zu beschränken. Leider hat auch die Naturheilkunde in den letzten 100 Jahren den grossen Fehler gemacht, mit Naturstoffen die monokausal denkende Schulmedizin zu imitieren.

Hier muss ein Umdenken stattfinden, wenn chronische Erkrankungen vermieden oder beseitigt werden sollen. Eine ursächliche Behandlung beginnt immer auf zellulärer Ebene, d.h. die Zellen müssen vor Schädigung geschützt werden und der Zellstoffwechsel muss aktiviert werden. Dazu brauchen wir eine ganze Reihe von unterschiedlichen Mikronährstoffen, sekundären Pflanzeninhaltstoffen, Aminosäuren (spez. Arginin, Carnosin, Carnitin) und Fettsäuren (spez. Omega-3-Fettsäuren). Eine besondere Rolle spielt der Darm und die Darmflora, sind diese doch für eine optimale Aufnahme und Verwertung der Ernährung (Makro-/Mikronährstoffe) zuständig. Und genau hier müsste eigentlich jede Behandlung beginnen, da Entzündungsprozesse meistens im Darm beginnen.

Zur Behandlung und Stärkung der Darmflora sind Butyrat bildende Ballaststoffe also Präbiotikas, wie Guar, Gummi Arabicum, Inulin, beta Glucane u.a. und natürlich zusätzlich Mikronährstoffen und Probiotikas in ausreichender Dosierung zu zuführen. Anfänglich Reaktionen bei der Gabe von Ballaststoffen sind Zeichen einer unausgewogenen Darmflora und müssen mit einer einschleichenden Dosierung über mehrere Wochen vermindert werden. Andreas Scheler, Leitender Arzt vom Institut für angewandte Biochemie IABC AG, Kreuzlingen und eigener Praxis in Bottighofen, ergänzte im Anschluss die Ausführungen von Jörg Hentschel aus ganzheitsmedizinischer Sicht.

Alzheimer bezeichnete er als metabolischer Stress des Gehirns und damit als behandelbar, genauso wie Diabetes Typ 2 und andere chronisch Erkrankungen. Sein Schwerpunkt setzte er auf die Erklärung der Wirkungsweise und Bedeutung unterschiedlicher Hormone im Stoffwechsel und auf die Bedeutung einzelner Mikronährstoffen, Amino- und Fettsäuren auf den Energie- und Entgiftungsstoffwechsel. Er ging auch auf die wichtige Funktion der Sirtuine ein, das sind Enzyme, die in der Zelle den Stoffwechsel anregen, Zellschutz aufbauen und den Alterungsprozess verlangsamen. Pflanzenstoffe, wie Ginseng, Rhodiola, Safran, Ginko und andere (sog. Sirtfood) regen die Sirtuinbildung in den Zellen an. Auch Scheler unterstrich nochmals die Wichtigkeit eines einwandfreien Zusammenspiels von Darm, Darmflora, Leber und Gehirn. Bei der Behandlung wäre eine vorübergehende Verschlechterung der Symptomatik oder Müdigkeit jedoch völlig normal. Die Patienten sollten unbedingt darauf hingewiesen werden.

Frau Dr. Padia Rasch rundete am Schluss der Veranstaltung mit zwei sehr interessanten Fällen aus Ihrer Praxis im Seeblick Berlingen den lehrreichen Tag ab und zeigte auf, dass eine ursächliche Behandlung nicht ein paar Tagen, sondern je nachdem Monate beansprucht, aber durchaus sehr erfolgreich durchgeführt werden kann.

Nachbericht: 14. Internationaler Bodenseekongress

Nachbericht: 14. Internationaler Bodenseekongress:

Für eine neue Gesundheitskultur aktiv: Ärzte, Therapeuten, Apotheker und Drogisten am Internationalen Bodenseekongress 2019

Mit den Themen, die am 14. Internationalen Bodenseekongress von hochkarätigen Referenten präsentiert wurden, liegt die Stiftung für Gesundheit und Umwelt (SfGU) am Puls der Zeit:

Die möglichen Auswirkungen von Umweltbelastungen wurden ebenso diskutiert, wie wirksame Ansätze zur Gesundheitsprävention. Sämtliche Fachvorträge und Diskussionsbeiträge postulierten einen Bewusstseinswandel für eine neue Gesundheitskultur.

Der 14. Internationale Bodenseekongress, der am 7. September 2019 im Lilienberg Unternehmerforum stattgefunden hat, legte die inhaltlichen Schwerpunkte auf schädliche Umwelteinflüsse, die das Regulationssystem des Menschen sabotieren können – insbesondere Phthalate, Schwermetalle und Aluminium in Parfum und Duftstoffen (endokrine Disruptoren) sowie mit Schadstoffen belastete Tätowiersubstanzen. Zum Teil bedenkliche Konzentrationen und Synergismen können ein lebenslanges gesundheitliches Risiko und gynäkologische Spätfolgen nach sich ziehen.

Wie sich eine kurzfristige Exposition durch elektromagnetische Felder (Mobilfunk) auf die Regulationsfähigkeit der Mitochondrien auswirken kann, zeigten die Ergebnisse von wissenschaftlichen Einzelfallexperimenten, die nun mit zusätzlichen Studien weiter erforscht werden sollen: ein hohes Protonenleck (Proton leak), eine abnehmende Zellkonzentration sowie nicht mehr adäquate Zellreaktionen auf einen weiteren Reiz (oxidativer Stress) sind mögliche Folgen für den Zellstoffwechsel, die zu beobachten waren.

Am Beispiel von Resveratrol wurden die Eigenschaften von Antioxidantien besprochen, die Schutz vor negativen Umwelteinflüssen und oxidativem Stress bieten. Um protektive Wirkungen zu erzielen und die empfohlene Tagesdosis von bis zu 390 Milligramm pro Tag bei einem 65 Kilogramm schweren Mann aufzunehmen, ist dieser sekundäre Pflanzenstoff z.B. auch Bestandteil von personalisierten Mikronährstoffmischungen.

Darüber hinaus standen am Bodenseekongress die positiven Effekte von körperlicher Aktivität auf die Immunregulation im Fokus präventiver Massnahmen – verbunden mit dem Appell, eine Bewegungsbiographie zu entwickeln, die keine langen Phasen von körperlicher Inaktivität habe. Körperliche Aktivität wirkt dem Immun-Risiko-Profil und der Immunseneszenz genauso entgegen, wie chronisch-entzündlichen Prozessen.

Da es mit den Methoden der konventionellen Medizin nicht gelingt, auf die Ursachen von Zivilisationskrankheiten Einfluss zu nehmen, wurde am 14. Internationalen Bodenseekongress eine neue Gesundheits-Kultur gefordert, die dem Ökosystem Mensch entspricht – ein sich selbst entwickelndes, selbst regenerierendes, selbst reparierendes und (zumindest gelegentlich) auch selbst reproduzierendes System, welches in ständigem Austausch mit seiner Umwelt steht. (JÜK)

Der 15. Internationale Bodenseekongress findet am 12. September 2020 statt.

Zusammenfassung des Tagesseminars

„Autoimmunerkrankungen – vernetzt denken und vernetzt therapieren“

„Die Zeit der Alleindarsteller sollte sich ihrem Ende entgegenneigen“

Mit einem Plädoyer für die Grundprinzipien der Regulationsmedizin endete das Tagesseminar „Autoimmunerkrankungen – vernetzt denken und vernetzt therapieren“, das am Donnerstag, 23. Mai 2019, im Hotel Marriott Zürich City stattgefunden hat.

Dr. med. Simon Feldhaus (Facharzt für Allgemeinmedizin, TCM-Therapeut, Dipl.-Heilpraktiker) sprach sich mit Nachdruck dafür aus, „brandaktuelle Themen“, wie z.B. Autoimmunerkrankungen, ganzheitlich zu betrachten und die dazu erforderliche Vernetzung von Spezialisten auch in der Aus- und Weiterbildung darzustellen: „Wenn es um die Gesundheit von Menschen geht, dann halte ich es für absolut notwendig, dass sich die Zeit der Alleindarsteller allmählich ihrem Ende entgegenneigt. Dabei verlieh er seiner Freude Ausdruck, dieses Tagesseminar der Stiftung für Gesundheit und Umwelt (SfGU) gemeinsam mit dem Zahnarzt Dr. med. dent. Jens Tartsch (Schwerpunkt Umweltzahnmedizin und metallfreie Implantologie) gestalten zu dürfen. „Allgemeinmediziner, Therapeuten wie auch Zahnärzte kommen heute nicht mehr umhin, sich auf wissenschaftlich fundierter Basis mit den neuesten Erkenntnissen über Multisystemerkrankungen zu beschäftigen und im Sinne der Patienten vernetzt zu handeln“, erklärte der Dentist.

Die Erläuterung eines Fallbeispiels aus seiner Praxis zeigte, wie zwingend notwendig die interdisziplinäre Zusammenarbeit ist, die sich an den möglichen Ursachen von Krankheitsbildern orientiert: Ein Patient, der seine Prothese nicht mehr vertrug, litt u.a. unter Schlaflosigkeit, Erschöpfung und Depressionen, unter ständigen Bauchschmerzen und Verdauungsproblemen sowie unter wiederkehrenden Hautekzemen: „Der Gastroenterologe wollte ihm ein Stück vom Darm entfernen und der Dermatologe hat ihm eine Cortison-Creme verschrieben. Sein Hausarzt und der Psychiater sind von einer klassischen Depression ausgegangen“, so Tartsch. Im Interesse des Betroffenen verlangte er die Bereitschaft, „den Horizont zu erweitern“ sowie Entscheidungen gemeinsam abzuwägen und zu treffen: „Es braucht die Zusammenarbeit und es braucht die personalisierte Medizin.“ Was das von ihm skizzierte Fallbeispiel betrifft, lag darin der Schlüssel zum Erfolg: „Es galt in diesem Fall, die chronisch-entzündliche Erkrankung zu erkennen und zu beseitigen.“ Als Zahnarzt habe er seinen Teil dazu beitragen können, um das komplexe Räderwerk wieder zum Laufen zu bringen. Über die systemische Behandlung von Patienten hinaus appellierte er daran, vermehrt auf individualisierte Gesundheitskonzepte zur wirksamen Prävention zu setzen und Menschen über ursächliche Zusammenhänge aufzuklären – „bevor das Kind in den Brunnen fällt“.

Nach Auffassung der Stiftung für Gesundheit und Umwelt (SfGU) ist es allerhöchste Zeit, um ein Gesundheitswesen mit einem multifaktoriellen und konzeptionellen Ansatz aufzubauen. Wer den steigenden Herausforderungen für ein langes Leben in Gesundheit mit zukunftsfähigen und weitblickenden Lösungen begegnen will, der kommt an dem von Dr. med. Simon Feldhaus und Dr. med. dent. Jens Tartsch aufgezeigten Paradigmenwechsel nicht vorbei. Dafür sprach sich auch Andreas Hefel (Präsident der SfGU) an diesem Tagesseminar aus.

Zusammenfassung des Tagesseminars

„Neue Möglichkeiten der Diagnostik und Therapie für den Darm – ein Update“

Das Mikrobiom als Ökosystem schützen

Monokulturen in der Landwirtschaft, einseitiges Ernährungsverhalten, Schadstoffbelastungen und die Einnahme bestimmter Medikamente sind vier von vielen Faktoren, die das komplexe Mikrobiom aus dem Gleichgewicht bringen können. Nimmt dadurch die Anzahl von Bakterienfamilien im Darm ab, steigt das Risiko für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen. Die Diagnose „Reizdarm“ gilt es kritisch zu hinterfragen. Hinter den Symptomen können sich auch andere Krankheiten, Unverträglichkeiten und Mangelzustände verbergen.

Was Dr. med. Kurt Mosetter am 14. Internationalen Bodenseekongress der SfGU erwähnte, kam auch am Tagesseminar „Neue Möglichkeiten der Diagnostik und Therapie für den Darm“ erneut zum Ausdruck: „Der Mensch ist ein grosses Ökosystem. Es ist in uns und wir sind ein Teil davon.“ Am Beispiel chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen (CED) ging dabei Prof. Dr. med. Stephan Vavricka (Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie FMH, Spez. Hepatologie) auf die Bedeutung einer hohen Diversität von Darmbakterien ein: „Man weiss, dass bei der Entstehung von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa die reduzierte Anzahl von Bakterienfamilien im Darm eine ganz wichtige Rolle spielt.“ Dies sei z.B. auf Behandlungen mit Antibiotika zurückzuführen. Während das normale Mikrobiom – die Gesamtheit aller Mikroorganismen, die den Darm besiedeln – einer blühenden Wiese entspreche, verwandle es sich dadurch bildlich gesprochen in einen Acker. „Auf diesem Acker beginnt anschliessend Unkraut zu wachsen – d.h. Bakterienarten, die die Darmflora ungünstig verändern.“

Entwickelten sich daraus im Zusammenspiel mit verschiedenen anderen Faktoren im Laufe der Zeit chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, so dauere die Diagnosestellung in der Schulmedizin sehr lange: „Vom Auftreten der ersten Symptome bis zur Diagnose Morbus Crohn vergehen in der Schweiz bei einem männlichen Patienten im Durchschnitt 60 Monate und bei einer Frau 90 Monate“, erklärte der Facharzt. Da für die Diagnose des Morbus Crohn bis heute kein Goldstandard existiere, ergebe sich das Bild immer durch das Zusammenfügen einzelner Puzzleteile, wie z.B. der Anamnese, Endoskopie, Histologie, radiologischer Untersuchungen, Laboranalytik und biochemischer Befunde. Dass dabei vielfach Jahre verstreichen, bringt für die Patienten Risiken mit sich: „Je länger diese Krankheit andauert, desto komplizierter werden die Therapien und desto grösser wird auch die Wahrscheinlichkeit eines operativen Eingriffes.“

Die Schwierigkeit, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen schulmedizinisch zu diagnostizieren, führe nicht selten auch zu einem Fehlschluss: „Ohne dass die richtige Diagnose gestellt wurde, werden Betroffene von den behandelnden Ärzten aus dem Gefühl heraus in die Reizdarm-Schiene gelegt“, so Vavricka. Dabei appellierte er dafür, dies möglichst frühzeitig kritisch zu hinterfragen und stattdessen auch weitere Krankheiten, Unverträglichkeiten und Mangelzustände abzuklären, wie z.B. Zöliakie, CEDs, zu niedrige Proteinwerte oder ein Mangel an Vitamin D. Mit Blick auf die Zunahme von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen liegt ihm das Mikrobiom „extrem am Herzen“: So zeigten Veränderungen der Darmflora, wie fragil das gesamte System sei und wie wenig es noch immer verstanden werde. Dabei zeigte er sich als Verfechter einer differenzierten Sichtweise und einer kooperativen Haltung: „In den vergangenen 20 Jahren habe ich gelernt, dass Medizin nicht Schwarz oder Weiss ist, sondern dass es noch 50 Graustufen dazwischen gibt. Als Schulmediziner bin ich sehr offen gegenüber der Alternativmedizin und ich lerne auch von Ihnen – z.B. über die Stuhlanalyse zur Bestimmung des Mikrobioms.“

Abwechslungsreiche Ernährung

Welch grossen Einfluss Medikamente auf das Mikrobiom haben, verdeutlichte Andreas Scheler (Facharzt für Allgemeinmedizin und Naturheilverfahren (D), Komplementärmedizin). In seinem Vortrag ging er auch auf eine Studie des European Molecular Biology Laboratory ein, die 2018 in der Fachzeitschrift „Nature“ erschienen ist. Sie zeigt, dass eine Vielzahl von Medikamenten einen Effekt auf das Mikrobiom hat, der zu einer Verarmung der Bakteriengemeinschaft führt – vergleichbar mit Antibiotika. Dazu zählen u.a. Protonenpumpenhemmer und Psychopharmaka, die sehr häufig verordnet werden. Auch Scheler sprach sich dafür aus, auf eine hohe Diversität von Darmbakterien zu achten: „Das ist wie in der Waldwirtschaft – während Monokulturen sturmanfällig sind, leben Mischwälder länger und sind robuster.“ Besonderes Augenmerk richtet er dabei auf die Ernährung: „Mit einem therapeutischen Eingriff wird das gesundheitliche Problem auf Dauer nicht erledigt sein – dazu braucht es Veränderungen im Lifestyle.“ Laura Koch (Ernährungsberaterin BSc BFH am NHK Institut für integrative Naturheilkunde) beschäftigte sich in ihrem Referat ebenfalls mit Monokulturen und ihren möglichen Risiken für die Gesundheit des Menschen: „Indem die ursprüngliche Vielfalt zunehmend den Monokulturen gewichen ist, hat sich die Agrarindustrie in den vergangenen 60 Jahren sehr stark verändert. Die Ertragskraft der Nutzpflanzen steigt, aber die Qualität sinkt.“ Werde auch die Ernährung einseitig, dann gelangten z.B. durch den übermässigen Verzehr unreif geernteter Fruchtsorten vermehrt Lektine in den Darm: „Diese Kohlenhydrat-bindenden Proteine bilden das Immunsystem der Pflanzen gegen Frassfeinde. Indem sie sich verkleben und aneinanderhängen können sie das Mikrobiom beeinflussen und die Darmintegrität beeinträchtigen.“

Vorbeugen ist besser als heilen

Daraus leitete Andreas Hefel (Präsident der SfGU) eine Schlussfolgerung nach dem SALUSMED-Prinzip ab, die nicht nur therapeutisch, sondern insbesondere präventiv von hoher Relevanz ist: „Gelingt es uns, Schadstoffbelastungen zu minimieren und unerwünschte degenerative Kräfte zu reduzieren sowie gleichzeitig die regenerativen Selbstheilungs- und Reparaturkräfte des Organismus zu stärken, dann können wir das erreichen, was wir alle anstreben: Bei guter Gesundheit und hoher Lebensqualität alt werden!“

Zusammenfassung des Tagesseminars

„Energie auf Rezept“

Wie Energiemangel als Hauptursache für alle chronischen Erkrankungen beseitigt und Regenerationskräfte wieder aktiviert werden können

Prof. Dr. Elmar Wienecke (Leiter des Masterstudiengangs Mikronährstofftherapie und Regulationsmedizin, Fachhochschule des Mittelstands (FHM), Bielefeld) referierte über folgende Themen:

  • Der Einfluss der Mikronährstoffe auf die Balance des vegetativen Nervensystems am Beispiel evidenzbasierter retrospektiver Studien
  • Individualisierte Mikronährstofftherapie in der Regulationsmedizin am Beispiel unterschiedlicher Erkrankungen

Take-Home-Message: „Subklinische Mangelzustände von Mikronährstoffen werden erst sehr spät diagnostiziert, da der Mensch zunächst seine körpereigenen Gewebe- und Zellspeicher entleert, ohne dass diese durch routinemässige Blutanalysen erkannt werden. So werden immer mehr Stoffwechselabläufe verlangsamt und die Produktion von Hormonen auf Sparflamme gesetzt. Gelingt es rechtzeitig, biochemische Störungen zu erkennen und zu korrigieren, so lassen sich nachweislich bestehende Befindlichkeitsstörungen deutlich reduzieren oder aber im Vorfeld vermeiden. Mit Hilfe evidenzbasierter retrospektiver Studien lässt sich die Wirksamkeit der Mikronährstoffe für die Gesundheitserhaltung des Menschen nachweisen. Dabei sind interessante Zusammenhänge zwischen einer optimalen Energiezufuhr sowie der mentalen und physischen Leistungsfähigkeit des Einzelnen erkennbar.“

Prof. Dr. Elmar Wienecke (Leiter des Masterstudiengangs Mikronährstofftherapie und Regulationsmedizin, Fachhochschule des Mittelstands (FHM), Bielefeld) referierte über folgende Themen:

Hauptursache aller chronischen Erkrankungen – Energiemangel beseitigen und Regenerationskräfte aktivieren

Take-Home-Message: Die Mitochondrien sind zentral für den Energiehaushalt zuständig und stellen mit ihrer Atmungskette rund 80% der zellulären Energie zur Verfügung. Speziell die mitochondriale Erbsubstanz ist ebenso wie ihr schlecht ausgebildetes Reparatursystem sehr anfällig gegenüber molekularem Stress, Energiemangel und zu stark ausgeprägten Aktivitäten freier Radikale. Speziell für Organe, die grosse Energiemengen benötigen, wie z.B. das Gehirn, das Herz, die Leber und die Muskeln, sind Mitochondrien besonders wichtig. Fehlfunktionen der Mitochondrien können weitreichend den Stoffwechsel und eine Vielzahl von Erkrankungen negativ beeinflussen und sind so unmittelbar mit Neurostress, Neurodegeneration, Immundysfunktion und allen Zivilisationskrankheiten gekoppelt.“

Dr. med. Padia Rasch (leitende Fachärztin für Allgemeinmedizin und Naturheilverfahren im Fachkurhaus Seeblick) stellte zwei Fallbeispiele zur wirksamen Behandlung von Erschöpfungsdepression, Burnout und Energiemangel vor:

Take-Home-Messages Fallbeispiel Nr. 1:

  • „Die Mikronährstoffdiagnostik zeigte einen Omega-3-Mangel, was bei unseren Kurgästen und Patienten keine Seltenheit, sondern die Regel ist. Auch ein Mangel an Vitamin D3 ist sehr weit verbreitet.
  • „Als Medizinerin orientiere ich mich am Labor. Warum hatte die Patientin einen Vitamin D–Mangel? Das musste ich zuerst einmal verstehen. Die Kontrollmessung hat dann die Verbesserung gezeigt.“
  • „Die Patientin wollte etwas verändern – deshalb hat sich das auch erreicht. Sie hat ihre Ernährung umgestellt und mehr Bewegung in ihrem Alltag einplanen können. Eine weitere wichtige Therapiesäule war die HCK-Mikronährstoffmischung, die individuell auf sie abgestimmt war.“
  • „Ein Mensch, der nicht genügend Energie hat, kann auch keinen Sport treiben. Deswegen sollte man zuerst daran denken, die Mikronährstoffe zuzuführen, die fehlen und für den Energiehaushalt notwendig sind – und zwar langsam, Stufe für Stufe.“

Take-Home-Messages Fallbeispiel Nr. 2:

  • „Die Patientin kam mit einer mittelschweren Erschöpfungsdepression zu uns – das ist eine Burnout-Diagnostik.“
  • Die Mikronährstoffanalyse zeigte einen ganz, ganz starken Mangel an Vitamin D – das finden wir bei vielen Burnout-Patienten. Der Omega-3-Index war ebenfalls zu tief. Und auch der Q10-Wert, das `Highlight´ in der mitochondrialen Medizin, war nicht im grünen Bereich.“„
  • Wir haben den Cortisol-Spiegel im Speichel gemessen – die Werte waren nicht ausgeglichen, sondern bewegten sich in einem Grenzbereich. Wir wussten also, dass es sich um eine biochemische Erschöpfung handelt. Wie soll man die Nebenniere, in der das Cortisol gebildet wird, psychiatrisch behandeln? Sollen wir mit der Nebenniere sprechen und dann schauen, was sie antwortet?“„
  • Ich möchte betonen: Die Patientin kam zu uns nach einem nicht zielführenden Therapieversuch mit Methoden der konventionellen Medizin. In einer internistischen Praxis wurde sie mit stimmungsaufhellenden und sedierenden Antidepressiva sowie Schlafmittel behandelt und krankgeschrieben – darüber hinaus hatte sie in dieser Arztpraxis keine andere Lösung gefunden. Fünf Wochen später war sie damit noch nicht einmal in der Lage, den Haushalt selbständig zu erledigen. Die beantragte Kostengutsprache für einen stationären psychiatrischen Aufenthalt wurde von der Krankenkasse nicht genehmigt. Ich finde, das war die beste Entscheidung einer Krankenkasse. Stattdessen kam die Frau zu uns und das war ihre Chance. Im „Seeblick“ wurde sie u.a. mit einer personalisierten Mikronährstoffmischung behandelt. Im weiteren Verlauf hat sie sich freiwillig und selbstbestimmt dazu entschieden, die Psychopharmaka abzusetzen. Heute ist sie wieder arbeitsfähig, kann alles wieder wie früher machen und strahlt Gesundheit aus – das ist ihre Natur!“
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